PCB-Ätzen ist das Thema des neuesten Videos von Bettina Neumryr – und es trifft einen wunden Punkt: Als Ausgangsmaterial dient das Elektor Magazine Circuit Special vom Juli/August 1980, konkret der Artikel „Netzgerät (0-50V,0-2A)" auf Seite 86. Das Projekt ist ein variables Labornetzgerät auf Basis von LM10-Operationsverstärkern mit einstellbarer Spannung, Strombegrenzung, Kurzschlussschutz und einem direkt im Heft abgedruckten Platinenlayout.

Platinen ätzen nach einem Elektor-Layout


Neumryrs Videodemo folgt dem klassischen Weg: Platinenvorlage aus dem Heft entnehmen, für die Übertragung vorbereiten, das Kupfer ätzen, die Platine bohren und so zu einer fertigen Schaltung gelangen. Heute denkt man bei Platinenlayouts meist an Dateien – Gerber-Daten, KiCad-Projekte, gezippte Fertigungspakete –, doch 1980 war die Magazinseite selbst das Verbreitungsmedium. Die Vorlage war Teil des Projekts.
 

Schaltung aus Elektor 7/8 1980
Könnte man das im Jahr 2026 noch von Hand ätzen und bohren?

Das Netzgerät ist auch deshalb eine gelungene Wahl, weil es keine Spielerei ist. Der Artikel beschreibt eine 0–50-V/0–2-A-Versorgung mit zwei LM10-ICs, wobei ein Abschnitt die Spannungsregelung und der andere die Stromregelung übernimmt. Die Stückliste umfasst einen 42-V-Transformator, einen Brückengleichrichter, 2N3055-Ausgangstransistoren und einen 4700-µF-Glättungskondensator. Kurz gesagt: ein nützliches Laborgerät, kein blinkender LED-Aufbau, der nur ein Prinzip veranschaulichen soll.

Die Circuit-Special-Tradition

Dieser Kontext ist wichtig, denn die Circuit-Special-Tradition von Elektor stand schon immer für kompakte, nachbaubare Ideen. Manche sind schnelle Experimente, andere ernsthafte Messgeräte, und wieder andere landen für Jahrzehnte auf der Werkbank. Die Ausgabe vom Juli/August 1980 gehört zu dieser Linie – und Elektor setzt die Tradition diesen August mit dem nächsten Circuit Special fort.

Den richtigen Maßstab finden

Der Chip passte in Bettinas erstem Versuch nicht – sie skalierte die Vorlage anschließend manuell.

Im obigen Beispiel hat Bettina die Schaltung vom Bildschirm ausgeschnitten, in GIMP eingefügt und dann manuell skaliert.

Neugierig auf den Maßstab der originalen Elektor-Scans dieses 46 Jahre alten Magazins, lud ich das PDF von der Originalseite des Artikels herunter (kostenloser Download für Mitglieder oder für 5 €) und druckte es unter Windows aus. Die Skalierung ließ ich auf „Tatsächliche Größe". So gedruckt, passte mein IC-Sockel perfekt!

Platinendruck aus dem PDF
Mein erster Ausdruck direkt aus dem Artikel-PDF passte auf Anhieb.

Natürlich hat Bettina einige Korrekturen und Bearbeitungen vorgenommen, wie man in ihrem Video sehen kann – aber es ist erfreulich zu sehen, dass der Maßstab den Weg vom gedruckten Heft von 1980 über professionelles Einscannen, PDF-Erstellung und meinen Drucker bis auf meinen Schreibtisch im Jahr 2026 unbeschadet überstanden hat.

Ein 1980 in Elektor veröffentlichtes Projekt wird 2026 via YouTube neu aufgebaut – mit einem Verfahren, das jüngeren Makern zeigt, wie physische Platinenherstellung funktionierte, bevor günstige Fertigungsdienstleister das Outsourcen zur Selbstverständlichkeit machten. Das bedeutet nicht, dass Heimätzen automatisch die bessere Methode ist – in der Regel ist es das nicht. Moderne Fertigung bietet durchkontaktierte Bohrungen, Lötstopplack, Bestückungsdruck, Reproduzierbarkeit und deutlich weniger Chemikalien. Aber das Heimätzen lehrt Maßstab, Leiterbahnbreite, Pad-Größe, Bohrtoleranz und die Konsequenzen eines grenzwertigen Layouts auf eine Weise, die kein Bestellvorgang je vermitteln kann.

Platinen ätzen lehrt die Grundlagen

Wer PCB-Design lernen möchte, profitiert davon, den Prozess zu verlangsamen. Man sieht die Vorlage als Vorlage, das Kupfer als Kupfer und die fertige Platine als etwas, das Hitze, Bohrungen und Hände überstehen muss. Genau deshalb sind alte Magazinprojekte nach wie vor wertvoll. Sie waren zum Studieren, Nachbauen, Aufbauen, Reparieren und gelegentlichen Verbessern gedacht – für Leser, deren Neugier größer war als ihre Ausrüstung.

Viereinhalb Jahrzehnte später fühlt sich das immer noch nach Elektor an. Die Werkzeuge haben sich verändert, aber das grundlegende Vergnügen, aus einem Schaltplan ein funktionierendes Objekt zu machen, ist geblieben.