See me, feel me, hear me...

9. Juni 2017, 07:00 Uhr
Sehr defektes Bauteil. Bild: Antilived / Wikimedia Commons
Sehr defektes Bauteil. Bild: Antilived / Wikimedia Commons
Nein, es geht nicht um die Rockoper Tommy von The Who. Aber um die in diesem Stück besungenen Fähigkeiten. Heutzutage gibt es so viele tolle Messgeräte, die zudem so einfach zu benutzen sind, dass Elektroniker sehr leicht vergessen, wie wir ganz ohne Messgeräte nur mit unseren Sinnen den Fehlern in elektronischen Geräten auf die Spur kommen kann.

Ich bin ganz sicher nicht als einziger Mensch dieses Planeten mit der Gabe ausgestattet, Probleme in elektronischen Geräten im wahrsten Sinne des Wortes zu riechen und die böse Stelle ganz ohne sechsstelliges DMM mit USB-3.0-Anschluss und IoT-Verbindung zu finden. Selbst bei ausgeschalteten Geräten kriegt man mit, wenn da etwas heißgelaufen ist oder war. Als Indikator gibt es hier zielführende Gerüche aller Art. Neben ausgefallenen Bauteilen kann man auch schnell falsche Bauteile entdecken, etwa wenn irgendwo ein 1-Ω-Widerstand steckt, wo eine 1-kΩ-Version vorhanden sein sollte. Hilfreich ist auch, wenn verdächtige Bauteile Zeichen großer Hitze oder Geschmolzenes oder Glasierungen oder gar Mikroexplosionen zeigen. Doch allein ein leichter „elektrischer“ Geruch kann ausreichend sein, besonders dann, wenn sich das defekte Bauteil in einem geschlossenen Gehäuse befindet und man dieses zum ersten Mal öffnet. Man kann Strom quasi riechen und natürlich auch heiß gewordenes Pertinax oder verbrannten Staub.

Und links und rechts von der Nase sitzen die Augen! Ein sehr gartenaffiner zeigte mir einst seine 10-PS-Motorhacke, die nicht starten wollte, obwohl er deren 12-V-Akku mit 20 Ah über den Winter geladen gehalten hätte, wie er behauptete. Ein Druck auf den Start-Taster führte zum einmaligen Klacken, vielleicht klackerte es auch zweimal. Doch aus dem Auspuff kam kaum ein halbes Wölkchen. Dafür sah ich grauen Rauch nicht etwa aus dem Auspuff, sondern aus Richtung Akku. Mir war optisch klar, dass sich der Starter dem drehen wollenden Strom verweigerte, da er durch einen unerwünschten Widerstand wohl am Fließen gehindert wurde. Hier brauchte es keine Stromzange und auch keinen Milliohmmeter, um zu diagnostizieren, dass es sich um schlechte Verbindungen zwischen Akku-Polen und Klemmen handelte. Tatsächlich waren die Schrauben der Klemmen nicht richtig angezogen. Außerdem waren die Pole mit einer Art organischer Schicht bedeckt. Nach Reinigung von Polen und Klemmen mit einer Drahtbürste und korrektem Festziehen der Schrauben startete der Motor wie er sollte.

Und weiter links und rechts sitzen noch weitere integrierte Sensoren für lufttransportierte Audiosignale. Man sollte die Ohren bezüglich seiner Fähigkeiten zur Entdeckung hoher Tone oder tickenden, klickenden Geräuschen keinesfalls unterschätzen. Man braucht kein Oszilloskop, um festzustellen, dass sich ein kaputtes Schaltnetzteil auf zwei oder mehr Frequenzen ausweint. Diese intermodulierten und temperaturgesteuerten Klänge sind ziemlich spezifisch. Und manchmal indizieren bestimmte Klänge, dass da wohl ein Elko oder eine Spule oder ein Halbleiter ausgefallen ist. Manchmal weisen sie auch einfach auf schlecht angezogene Schrauben etc. hin.

Die besten Sensoren für eine erste Diagnose haben wir also alle schon eingebaut. Meine sensorischen Fähigkeiten umfassen Temperatur, Licht und Gerüche. Können Sie da noch einen Sensor hinzufügen? Falls ja, Klicken Sie auf Kommentar schreiben und lassen Sie mich das wissen.
 
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