Der Pika-3D-Scanner ist Crealitys neuestes tragbares Erfassungsgerät, das gemeinsam mit Orbbec entwickelt und von Letzteren angekündigt wurde, nachdem Creality im Rahmen seiner Produkteinführung zum 12-jährigen Bestehen das „KI Ecosystem“ vorgestellt hatte. Für Elektor-Leser, die sich mit Tiefenerfassungs-Hardware beschäftigen, ist nicht nur die kompakte Größe interessant, sondern auch die Tatsache, dass mehrere Scan-Modi, lokale Vorschauen, Smartphone-Bedienung und KI-gestützte Rekonstruktion in einem einzigen Handgerät vereint werden.

Pika 3D-Scanner-Hardware

Der Pika misst 100 × 60 × 35 mm und wiegt 260 g, sodass er eher einer Taschenkamera als einem Laborgerät ähnelt.

Creality Pika portable 3D scanner shown from the front and rear, with blue scan LEDs and a built-in display preview.
Der tragbare Creality-Pika-3D-Scanner kombiniert Smartphone-Bedienung, Blaulaser-Scanning, infrarotbasiertes strukturiertes Licht und KI-gestützte Verarbeitung.

Er kann direkt mit einem Smartphone betrieben werden, ohne dass im grundlegenden mobilen Arbeitsablauf ein PC erforderlich ist. Ein integriertes HD-Display bietet Echtzeit-Scanvorschauen, während ein austauschbarer Schnellwechsel-Akku dafür sorgen soll, dass mobile Scan-Sessions ohne die ständige Suche nach einer Steckdose fortgesetzt werden können.

Die optische Kernkonfiguration kombiniert ein 7-Linien-Blaulaser-System mit infrarotbasiertem strukturiertem Licht. Der Blaulaser-Modus ist für feine Geometrien ausgelegt und bietet laut Hersteller eine Genauigkeit von bis zu 0,03 mm für Objekte wie mechanische Teile, Modelle, kleine Artefakte und Gegenstände mit detaillierten Oberflächen. Der Infrarot-Modus ist für größere Objekte, Körperscans und markerfreie Arbeitsabläufe vorgesehen, bei denen Geschwindigkeit und Komfort wichtiger sein können als die letzte Mikrometer-Genauigkeit.

Bildraten, Bewegung und KI

Creality und Orbbec geben an, dass der Pika eine 3D-Kamera-Architektur mit Global Shutter verwendet. Das ist für das handgeführte Scannen der richtige Ansatz, denn Bewegung ist kein Sonderfall, sondern der Normalfall. Im Smartphone-Modus erreicht das Linienlaser-Scanning bis zu 40 FPS, während der Infrarot-Modus bis zu 20 FPS erreicht. In Verbindung mit einem PC kann das Linienlaser-Scanning bis zu 110 FPS erreichen. Diese Werte sind wichtig, da es beim handgeführten Scannen häufig weniger um eine einzelne statische Aufnahme geht als darum, die Nachverfolgung aufrechtzuerhalten, während sich Bediener, Objekt oder beide nicht wie eine fest montierte Laborvorrichtung verhalten.

Die Bezeichnung KI bezieht sich auf Nachverfolgung, Datenverarbeitung, Workflow-Vereinfachung und einen Körpervervollständigungsalgorithmus für den 3D-Druck von Porträts. Letzteres ist besonders nützlich, wenn dadurch die aufwendige Netzbereinigung reduziert wird, die häufig zwischen „Ich habe es gescannt“ und „Ich kann es drucken“ liegt. Wie immer bei KI in Produktbezeichnungen wird der eigentliche Test darin bestehen, ob sie Anwendern unter nicht perfekten Lichtverhältnissen, bei nicht perfekten Objekten und mit nicht perfekter Technik tatsächlich Zeit spart. Mit anderen Worten: im normalen Alltag.

Pika-3D-Scanner und der 3D-Druck-Workflow

Der Pika-3D-Scanner erscheint außerdem im Zusammenhang mit einer vertieften strategischen Partnerschaft zwischen Orbbec und Creality. Die Unternehmen kündigten Pläne für ein „3D Scanner Digital Joint Innovation Center“ sowie eine neue „3D Printing AI Vision Intelligent Platform“ an. Die Vorstellung erfolgte außerdem zeitgleich mit Crealitys Börsendebüt an der Hongkonger Börse, wodurch die Produktankündigung einen breiteren geschäftlichen Kontext erhielt.

Für Maker und Ingenieure wird ein solches Gerät genau an diesem Punkt interessanter als ein reiner Neuheiten-Scanner. Ein tragbarer Scanner kann Reverse Engineering, Gehäusedesign, Ersatzteile, körperangepasste Projekte, Bildung, die Erfassung von Kulturerbe sowie die Entwicklung von Kleinserien-Produkten unterstützen. Die entscheidende Frage wird sein, ob der Pika wiederholbar saubere Modelle schnell genug liefern kann, sodass der Scanner Teil des Entwicklungsprozesses wird und nicht nur ein weiteres cleveres Gadget bleibt, das in einer Schublade neben unbeschrifteten USB-Kabeln verschwindet.