Echt wahr? Eine Mikrobatterie bremst die IoT-Lawine?

16. September 2016, 00:00 Uhr
Echt wahr? Eine Mikrobatterie bremst die IoT-Lawine?
Echt wahr? Eine Mikrobatterie bremst die IoT-Lawine?
Wenn man Industrie-Experten und Aktien-Analysten Glauben schenken will, dann kann nichts und niemand die IoT-Revolution mehr aufhalten. Wobei hier vor allem an Aktienkurse und als große Geld gedacht wird. Und es scheint plausibel, dass angesichts von Zillionen (Web-)Anwendungen das Geld doch auf der Straße liegt. Man denke nur an das automatische Scannen des Einkaufs im Supermarkt, an den von Jens Nickel gerade beschriebenen selbstbestellenden Kühlschrank oder an die eher bescheidenen Luftdrucksensoren in Autoreifen.
 
Kleine Dinge brauchen kleine Energieversorgungen, also etwa besonder kleine Batterien und Akkus. Und gerade hier lauert ein richtiger kleiner Spielverderber, der die IoT-Industrie noch ausbremsen könnte. Das Problem hört auf den unschönen Namen „durchsetzbare Patente“.

Laut einem Report von KnowMade [1] wird der Bereich Festkörper-Lithium-Mikrobatterien von den „Schwergewichten“ PowerPaper, Cymbet, Infinite Power Solutions und ST Microelectronics dominiert. Mindestens vier kleinere Firmen arbeiten schwer an Prototypen und versuchen, sie in einem oder zwei Jahren auf den Markt zu bringen. Man schaue sich nur einmal die Produktionsstraßen von FET an: NanoEnergy-Zellen mit einer Dicken von nur 0,1...0,4 mm und einer Fertigungskapazität von 200 Kstück an1-mAh-Zellen — hier werden die IoT-Mikrobatterien der Zukunft vom Band laufen.

Geld regiert die Welt: Etliche Firmen mit großem Bestand an IP haben schon Patentstreitigkeiten mit den überenthusiastischen Herstellern von Mikrobatterien begonnen. Auch wenn das französische Forschungslabor CEA hier noch der wichtigste Patenhalter der Welt ist, spricht der Knowmade-Report davon, dass Cymbet, Polyplus Battery, Infinite Power Solutions und Panasonic über die weitreichendsten Patente verfügen, um anderen Wettbewerbern das Leben (dank viel Geld für gute Anwälte) schwer zu machen.

Also wird auch hier der eine oder andere Patentinhaber gegen den großen Markt antreten, der nichts anderes will als 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche und 52 Wochen im Jahr auf Daten in der Cloud zuzugreifen und dafür keinen extra Obulus für Batterien abdrücken zu müssen. Die Rechtsanwälte reiben sich schon die Hände. Auf der einen Seite. Aber bevor Sie Sie mit Ihrem ans Internet angeschlossenen PC reagieren: Stellen Sie sich einmal vor, wie sie reagieren würden, wenn Sie so ein schönes Patent hätten...

[1] Microbattery Patent Landscape Analysis.  Von Fleur Thissandier und Nicolas Baron; KnowMade, Frankreich.
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