Buchbesprechung: ABC der Kondensatoren

13. September 2017, 19:25 Uhr
Buchbesprechung: ABC der Kondensatoren
Buchbesprechung: ABC der Kondensatoren
Als einer der ältesten Redakteure bei Elektor erlebe ich mit Entsetzen den Niedergang des Wissens und die präzise Ausdrucksweise bezüglich passiver Bauteile zugunsten von allem, was programmierbar ist und mehr als 8 Pins hat. Doch bin ich keinesfalls frustriert von meinen vergeblichen Bemühungen, auch den Entwicklern im Elektor-Labor dabei zu helfen, Fingerspitzengefühl für die heilige Dreifaltigkeit von R-C-L zu entwickeln und sie mal kurz von Compilerfehlern, ISP-Anschlüssen und anderen Mikrocontroller-Wehwehchen wegzulocken.

Seit kurzem bekomme ich aber massive Unterstützung für meine Missionierungsanstrengungen – speziell von diesen Trends und Leuten:
  • E-Nostalgie & Vintage. Es ist wieder trendy, alte High-End-Messgeräte, Radios, HiFi-Anlagen etc. instand zu setzen und dabei zu entdecken, dass Kondensatoren "schlecht" sind. Das stimmt oft, und Ersatz sowie Reparatur liefert viel Leistung zu einem Bruchteil des Preises eines Neukaufs.
  • Tantal-Tantra. 90 % aller Störungen von Geräten der Unterhaltungselektronik mit Herstellungsdatum zwischen 1985 und 1995 gehen auf Tantal-Kondensatoren zurück. Sie zischen, explodieren oder laufen aus. Also alle sofort ersetzen – inklusive der SMA-Typen.
  • Audiophoole & Angeber. Sie glauben dran, behaupten oder versuchen stur zu beweisen, dass alleine Kondensatoren den Klang eines Verstärkers ausmachen. Manchmal gar nicht so falsch, meistens aber schlecht informiert und schwerstens subjektiv.
  • Unwissen & Faulheit. Diese Leute wissen nicht oder es ist ihnen egal, ob ein Picofarad (pF) was Anderes als ein Nanofarad (nF) ist, weshalb sie nicht einmal die simple 16-MHz-Taktschaltung eines Mikrocontrollers zur Arbeit überreden können. Ergebnis: Viel nutzloser Internet-Traffic und noch mehr nutzloses Patchen von Software, damit es irgendwie läuft.


Sicherlich gibt es noch mehr Faktoren, die zum neuen Interesse am Kondensator C mit der Kapazität C (nur kursiv korrekt) beitragen. Ein anderes passives Bauteil, die Induktivität L mit Induktivität L, scheint mehr mit „schwarzer Magie“ zu tun zu haben und ist wohl nicht so interessant. Aber wer weiß, in ein paar Jahren gibt es vielleicht einen L-Hype. Dem Großbuchstaben „L“ wurde schon in der Referenz Trilogie der induktiven Bauelemente, einem Applikationshandbuch für EMV-Filter, getaktete Stromversorgungen und HF-Schaltungen des Herstellers Würth Elektronik ein Denkmal gesetzt. Dieses Buch hat jetzt einen treuen Begleiter, der sich eben mit dem Kondensator beschäftigt. Und dieses Buch ist der Gegenstand und das Thema meiner kleinen Besprechung.
 
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