Der QA403 von QuantAsylum ist vor einigen Jahren in eine Marktlücke gestoßen: Zwischen Audioanalysern zu Neuwagen-Preisen auf der einen Seite und Hobby-Lösungen mit Soundkarten oder USB-Audiointerfaces auf der anderen Seite. Unser Autor Alfred Rosenkränzer beschreibt in diesem Artikel, wie sich der Audioanalyser im Vergleich mit anderen Lösungen behaupten kann und warum er seinen QA403 nicht mehr hergeben will.

Zweiteilung des Marktes

Seit ich den Audioanalyser QA403 der US-amerikanischen Firma QuantAsylum mit dem derzeitigen „Goldstandard“ bei Audiomessungen, dem APx555(B) von Audio Precision, verglichen habe, ist einige Zeit verstrichen. QuantAsylum hat die Corona- und Chip-Krise überlebt und verkauft den QA403 (siehe Bild 1) offenbar in nennenswerten Stückzahlen – die Software wird laufend aktualisiert.

Beim Schreiben des damaligen Elektor-Artikels fand ich die Hardware und Software angesichts des Preises so gut, dass ich das mir von Elektor zur Verfügung gestellte Gerät (schon vor Ende des Tests) gekauft habe.

QA403 audio analyzer
Bild 1. Der kompakte Audioanalyser QA403 mit seinen Aus- und Eingängen, die als BNC-Buchsen ausgeführt sind.

Ein paar Jahre später lohnt es sich, erneut einen Blick auf den Markt für Audioanalyser zu werfen. Dieser ist weiterhin zweigeteilt: erstens in Geräte, die speziell für Messungen konzipiert wurden, und zweitens Soundkarten beziehungsweise USB-Audiointerfaces, die erst durch Verwendung einer speziellen Software zum Messgerät werden, wobei man naturgemäß mit Einschränkungen leben muss.

Die professionellen Messgeräte sind meist als „Black Box“ ausgeführt, die über keinerlei Bedienelemente außer dem Netzschalter verfügen und erst zusammen mit einem PC und ihrer speziellen Bediensoftware zum Messgerät werden. Die Ein- und Ausgangspegel sind – wie üblich bei einem Messgerät – kalibriert und bieten einen größeren Einstellbereich.


QA403 – Features in Kürze

  • 24-bit-ADC/DAC
  • Bis zu 192 kSamples/s
  • 8 Verstärkungsbereiche am Eingang (0 bis +42 dBV)
  • 4 Verstärkungsbereiche am Ausgang (-12 bis +18 dBV)
  • Vollständig vom PC isoliert
  • Differenzielle Eingabe/Ausgabe
  • Stromversorgung über USB
  • Keine Treiberinstallation erforderlich
  • Kalibrierung ab Werk
  • REST-Schnittstelle zum Anschluss an eigene Software

    Einen ausführlichen Testbericht findet man unter.

    Der Gold-Standard

Der Markt der professionellen Audioanalyser wird weiterhin von der Firma Audio Precision und ihren Produkten dominiert. Der APx555B ist weiterhin das Beste, was man kaufen kann, allerdings sind die Preise so hoch, dass ein solches Gerät auch für die engagiertesten Hobbyelektroniker nicht infrage kommt.

Andere renommierte Messgeräte-Firmen haben sich aus dem Markt verabschiedet, da ihre Produkte nicht an die Qualität von Audio Precision heranreichten und sie preislich nicht bedeutend günstiger waren.

Bleibt die Möglichkeit, sich auf dem Gebrauchtgeräte-Markt umzuschauen. Dort werden allerdings immer noch hohe Preise verlangt und man muss sich darüber im Klaren sein, dass die Geräte inzwischen nicht mehr gewartet oder repariert werden. Angesichts der Reparaturpreise ist ein Defekt dann eher ein „Totalschaden“.

Audio-Messungen für Einsteiger

Für Einsteiger in die Audio-Messtechnik bietet sich die Verwendung einer Soundkarte beziehungsweise eines USB-Audiointerfaces an, zusammen mit einer Messsoftware eines anderen Herstellers, die zumindest als Basisversion meist kostenlos ist (siehe Kasten Messsoftware für Audiointerfaces).

Die Auswahl an solchen USB-Audiointerfaces/Soundkarten ist sehr groß – für Einsteiger ist es schwierig, hier einen Überblick zu bekommen. In jedem Fall muss man sich klarmachen, dass die Geräte entwickelt wurden, um Musik aufzunehmen und abzuspielen, und nicht als Messgerät.

Die Ein- und Ausgangspegel sind nicht kalibriert; man muss sie (zum Beispiel mithilfe eines Oszilloskops) mit den Reglern am Audiointerface oder dessen Bedienungssoftware einstellen. Eine direkte Einstellung über die Messsoftware ist nicht möglich.

Hinzu kommt: Da die erlaubten Pegel am Audiointerface klein sind, muss man sich mit externen Verstärkern und Pegelabschwächern behelfen. Einige meiner Studenten haben es beim Vermessen einer Audio-Endstufe geschafft, drei externe Soundkarten zu zerstören, da die Pegel zu hoch für den Eingang waren.

Ein wichtiges Kriterium ist hier die Stromversorgung der internen Verstärker des Audiointerface. Im einfachsten Fall werden die 5 V der USB-Verbindung genutzt, im besten Fall hinter einem Low-Drop-Regler. Dies bedeutet, dass die Ausgangssignale auf etwa 3 Vpp begrenzt sind und eine deutliche Verschlechterung der Verzerrungen (THD) schon oberhalb von 1 Vpp einsetzt. Gleiches gilt auch für die Eingänge.

Etwas besser ist die Situation, wenn eine symmetrische Versorgung von +/-5V verwendet wird. In der Regel erhält man allerdings von den Herstellern keine Informationen über das Innenleben ihrer Geräte. Entweder man öffnet das Gerät; oder man misst die maximalen Pegel und versucht, daraus Rückschlüsse über die interne Stromversorgung zu ziehen.

Demgegenüber wird der Audioanalyser QA403 zwar ebenfalls über den USB-Anschluss betrieben, die Versorgung der Opamps ist aber +/-15 V. Diese Spannungen werden über DC/DC-Wandler erzeugt.

Kommen wir nun zur Qualität: Im Wesentlichen gibt es zwei Arten von Messungen, für die man einen Audioanalyser benutzen möchte: Frequenzgänge (Pegel über Frequenz, linear oder logarithmisch) sowie Messungen von Verzerrungen und Rauschen (THD, SNR, THD+N). Erstere sind mit einem modernen USB-Audiointerface plus externer Messsoftware kein Problem. Bei den Verzerrungen trennt sich allerdings die Spreu vom Weizen. Aufschluss über die Qualität eines USB-Interface oder überhaupt eines Audioanalysers gibt eine Loopback-Messung, die man allerdings bei verschiedenen Pegeln durchführen sollte. Die optimale Einstellung der digitalen Aussteuerung des internen DAC und des Eingangspegels erfordert einige Versuche! Generell gilt: Große Verzerrungen und Rauschpegel können von keiner noch so guten Software kompensiert werden.

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Messsoftware für Audiointerfaces

 

Meines Wissens gibt es drei verschiedene PC-Programme, um aus einem Audiointerface ein Messgerät zu machen: ARTA, REW und AudioTester V3.0. Letzteres setze ich bevorzugt ein, allerdings ist der Autor nun im Ruhestand und hat auch den Support Mitte 2025 eingestellt, seine ehemalige Website ist nicht mehr erreichbar. Ähnliches gilt für ARTA. Die letzte Version ist nun Freeware. Bleibt also nur noch REW, mit dem ich allerdings wenig Erfahrung habe. Immerhin ist REW (in der Basisversion) kostenlos herunterladbar.

Der Audioanalyser QA403

Der QA403 ist weiterhin der Einstieg in die professionelle Audio-Messtechnik. Angesichts seiner Performance ist er trotz seines Preises (bei Elektor 799 € / 719 € für Mitglieder) noch ein preiswertes Gerät. Es ist meines Erachtens auch sinnvoll, ihn beim einzigen europäischen Distributor – Elektor – zu kaufen. Man könnte ihn natürlich auch in den USA direkt beim Hersteller beziehen, muss aber dann die Transportkosten, die Einfuhrsteuer und die Zollgebühren bezahlen. Im Falle eines möglichen Defektes ist es auch einfacher und billiger, das Gerät an den Distributor hier in Europa zu schicken als zurück in die USA.

QA403 audio analyzer in action
Bild 2. Testaufbau zur Frequenzgangmessung eines Hochpasses für einen Tastkopf (links). Das Signal kommt vom QA403 über das abschirmte Kabel zum Filter, per Tastkopf (auf x1 gestellt) wird gemessen. Der (-)-Eingang ist mit einem BNC-Abschlusswiderstand kurzgeschlossen.

Mein QA403 steht griffbereit im Messgeräteregal und ist schnell angeschlossen. Die Software ist einfach und intuitiv zu bedienen, auch nach einer längeren Pause. In diesen Tagen habe ich das kompakte Gerät für Messungen an einem 40-kHz-Hochpassfilter für meinen neuen Ultraschall-Tastkopf benutzt. In Bild 2 ist der Testaufbau zu sehen.

Qa403 3
Bild 3. Frequenzgang mit linearer Frequenzskala.

In Bild 3 sieht man der Frequenzgang mit linearer und in Bild 4 mit logarithmischer Frequenzskala.

Qa403 4
Bild 4. Frequenzgang mit logarithmischer Skala.

Auch mit weißem Rauschen kann man einen Überblick erhalten (Bild 5).

Qa403 5
Bild 5. Auch mit weißem Rauschen als Testsignal kann man einen Überblick erhalten.

In Bild 6 sieht man eine Loopback-Messung, bei der ein Eingang einfach mit einem Ausgang verbunden wird: das Loopback-Spektrum eines 1-kHz-Testtons mit 0 dBV Amplitude.

Qa403 6
Bild 6. Loopback-Spektrum eines 1-kHz-Testtons.

Der QA403 ist inzwischen bei vielen Audio-Enthusiasten in Gebrauch, und natürlich gibt es hier auch Kritikpunkte aus der Community. Öfters werden die BNC-Buchsen und fehlende XLR-Verbindungen genannt. Angesichts der Größe des Gehäuses finde ich die BNC-Buchsen aber richtig. Es gibt gute Adapter auf Cinch (RCA) und Adapterkabel auf XLR oder Klinke zu kaufen, oder man macht sie sich selbst (zum Beispiel aus BNC-Kabeln).

XLR-Anschlüsse würden ein größeres Gerät erfordern, dann könnte man allerdings auch die Option einer externen Stromversorgung einbauen. Das Gerät braucht bis zu 1 A aus der USB-Buchse; wichtig ist hier ein gutes USB-Kabel. Immerhin bekommt man am unteren Bildrand die Info, welcher Strom fließt und welche Spannung noch im Gerät ankommt; damit kann man seine USB-Kabel sortieren (die massiv aussehenden sind nach meiner eigenen Erfahrung leider nicht immer die besten).

Für mich ist es erstaunlich, dass die aufstrebenden chinesischen Messgeräte-Hersteller noch nicht in diesen Markt eingestiegen sind. Der QA403 scheint sich also in seiner Marktlücke zu behaupten. Ein klares Fazit für mich: Wenn ich nicht schon einen hätte, würde ich sofort wieder einen QA403 kaufen!


Anmerkung der Redaktion: Dieser Artikel (260084-01) erscheint in der Mai/Juni-Ausgabe 2026 von Elektor.

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