Strom könnte Öl schneller verdrängen als gedacht

10. Februar 2017, 07:00 Uhr
Tankstelle geschlossen (Bild: David Falcone; Wikimedia Commons).
Tankstelle geschlossen (Bild: David Falcone; Wikimedia Commons).
Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen.
Dieses Bonmot des dänischen Cartoonisten und Kabarettisten Robert Storm Petersen scheint sich häufig zu bewahrheiten: 1943 hat Thomas Watson als CEO von IBM den weltweiten Bedarf an Computer auf „vielleicht fünf“ geschätzt. Und die „International Energy Agency“ weiß das, veröffentlicht aber trotzdem jedes Jahr Prognosen zum Wachstum alternativer Energie, die sich regelmäßig als falsch herausstellen...

Der jährliche Bericht mit Prognosen, welcher die Grundlage politischer Entscheidungen und wirtschaftlicher Investitionen darstellt – unterschätzt die Wachstumsraten erneuerbarer Energie mit erstaunlicher Regelmäßigkeit. Das geht bis zum Auftauchen von Vorwürfen, dass damit vorsätzlich der Übergang zu einer kohlenstoffarmen Energiewirtschaft ausgebremst werden soll.

Eine neue Studie der Carbon Tracker Initiative schlägt daher eine einfacher aber stichhaltige Regel vor: Man nehme einfach den letzten aktuellen Stand der Entwicklung als Basis für das Vorhersagemodell. Das hieße aber auch, dass sich beim nunmehr schon Jahrzehnte andauernden exponentiellem Wachstum der Solartechnik lineare Extrapolationen verbieten.

Mit der von ihnen vorgeschlagenen Methode haben die Studienautoren die Wachstumsraten für die Solartechnik und die Akzeptanz von Elektroautos neu berechnet, und sind dabei auf erstaunliche Werte gekommen. Der Anteil grüner Energie an der weltweiten Stromproduktion könnte schon 2040 auf 23 % steigen. 2050 soll er sogar schon bei 29 % liegen.

Bezogen auf Elektroautos ergibt sich schon im Jahr 2020 eine Preisparität zu Autos mit Verbrennungsmotor (mehr hierzu unter Elektor Energy). Ab diesem Zeitpunkt werden beim Verkauf von Elektroautos die Dämme brechen. Schon 2025 werden Elektroautos den weltweiten Ölverbrauch um gut 2 Millionen Barrel (etwa 300 Millionen Liter) pro Tag reduzieren. Dieser Wert entspricht in etwa der Überschussproduktion in den Jahren 2014 und 2015. Dieses Markt-Ungleichgewicht von nur 2 % hatte damals ja schon einen gewaltigen Einbruch der Ölpreise zur Folge. Und je mehr Primärenergie durch erneuerbare Techniken ersetzt werden, desto geringer fällt der Ölbedarf in Zukunft aus. Ein Effekt, der sich noch steigern wird.

Bild: David Falcone; Wikimedia Commons.
 
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