Review: Eine kurze Geschichte der Prototypen-Plattformen

5. Januar 2017, 08:35 Uhr

Arduino

Die Nr. 1 der Plattformen für Rapid Prototyping, mit der Hobbyisten zu Makern wurden und sie als Zielgruppe von Halbleiter-Herstellern entdeckt wurden, ist ganz sicher Arduino. Die Grundlage zu dieser mittlerweile altehrwürdigen Plattform wurde in einer Masterarbeit aus dem Jahre 2004 gelegt, was gerade einmal gut ein dutzend Jahre her ist. Schätzungen gehen davon aus, dass von diesen Boards mehr als eine Million weltweit verkauft wurden.

 
Arduino & Genuino Uno
Arduino & Genuino Uno

Die ersten Arduino-Boards basierten noch auf einem 8-bit-Mikrocontroller von Atmel (jetzt Microchip). Das erfolgreichste Exemplar ist Arduino Uno R3, der auf ATmega328 basiert. Heute produziert fast jeder Hersteller von Mikrocontrollern seine eigene Arduino-Variante. Sehr schnell erschienen neben 8-bit-Varianten auch Versionen mit 32 bit und bald sogar welche mit 64 bit. Es gibt nicht nur Arduino-kompatible Boards an sich, sondern jede Menge spezieller Erweiterungsboards mit dem schönen Namen „Shield“. Zusammen mit unterstützenden Libraries ermöglichen sie dem potentiellen Nutzer das Herumexperimentieren mit allerneuester Hardware und vereinfachen gleichzeitig die Nutzung durch Maker.

Auch wenn es durch den enormen Erfolg von Arduino im Team dahinter 2015 zu einer Spaltung kam (zwei Teams, CC und LLC bzw. ORG und SRL), beeinträchtigte das das Arduino-Konzept nicht wirklich. Dass sich die beiden Teams Ende 2016 wieder einigen konnten, war deshalb auch nicht wirklich wichtig. Arduino ist mittlerweile erwachsen geworden und kann auch ganz gut ohne seine einstigen Eltern auskommen.

ARM mbed
Ende 2009 startete ARM überraschend eine innovative Rapid-Prototyping-Plattform unter der Bezeichnung „mbed“. Innovativ ist sie, weil sie komplett cloud-basiert war. Etwas Spezielles war sie, weil sie kostenlos und in weiten Teilen Open Source war. Zwar inspiriert von Arduino legte mbed aber Wert darauf, die Dinge etwas professioneller zu gestalten. Von Anfang an handelte es sich um eine 32-bit-Plattform mit kleineren und praxisgerechteren Abmessungen und unterstützt von einer professionellen Tool-Chain und professionell unterstützten Libraries.

 
mbed lpc1768 pinout diagram
Diese Art von Diagrammen sind charakteristisch für mbed.

Nach dem Start passierte einige Jahre erst einmal kaum etwas. Es bildete sich zwar eine Community und hier und da erschien ein neues Board. Die Libraries wurden zu 100% Open Source. Es sah fast so aus, als hätte ARM das Interesse an seiner Schöpfung verloren. Doch intern bewegte sich etwas…

Ende 2014 wurde mbed plötzlich neu aufgelegt und mutierte zur anspruchsvollen IoT-Plattform mit Cloud-Anbindung und Datendiensten, sowie einem Betriebssystem, von dem das alte-mbed-System nur ein Teil war. Alle möglichen Boards erschienen (man denke nur an das Elektor CoCo-ri-Co!), und Ende 2016 befanden sich schon über 100 Boards auf der Liste. Zwar gibt es immer noch die Online-Tools, doch ist jetzt auch die Offline-Programmierung mit professionellem Debugging möglich. Da all dies in einer abgeschlossenen, professionellen Umgebung passiert, ist es schwer zu sagen, wieviel Unterstützung durch Anwender das neue mbed erhält. Auch jeden Fall bemüht sich ARM nach Kräften darum, mbed zu einer Erfolgsgeschichte zu machen.
 
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