Review: Casio mit "Doping"

9. März 2016, 10:10 Uhr
Review: Casio mit "Doping"
Review: Casio mit "Doping"
Vor einem Monat hat mein Kollege Thijs Beckers an dieser Stelle bereits in einem Review die Eigenschaften des J²B -Synthesizer-Moduls besprochen, aber er hat Ihnen noch nicht alles erzählt. Nach meiner Meinung hat er sogar das Wichtigste vergessen: Die durch diesen Synthesizer erzeugten Töne. Wir müssen allein schon deswegen erneut auf dieses Projekt zu sprechen kommen, weil in der Beschreibung dieses Synthesizers in Elektor (Januar 2015) nur über die Software berichtet wurde, da es um das Prinzip der Übertragung (Portierung) eines Open-Source-Programms von einem Mikrocontroller zum anderen (einer völlig anderen Familie) ging.

Wer „Portierung“ sagt, meint damit auch „Verbesserungen“: So gibt es in der J²B-Version des Synthesizers ein Display zum bequemen Ablesen der Einstellungen. In seiner ursprünglichen Form verfügt der Atmegatron-Synthesizer von Soulsby lediglich über 10 Knöpfe, bei denen es sich fast nur um Potis handelt. Von Display keine Spur! Die J²B-Version von Elektor ist nicht nur mit anschlagsfreien Dreh-Encodern ausgerüstet, sondern auch mit einem zweizeiligen LCD-„Bildschirm“ ausgestattet, auf den wir später noch zurückkommen. Die von diesem einstimmigen Synthesizer erzeugten Töne erinnern an die Chiptunes der Achtziger- und Neunziger-Jahre.

Diese wieder in Mode gekommenen Sounds überzeugen durch interessante Klangkombinationen aus Geräuschen und Algorithmen von heute. Hinten den Knöpfen dieses digitalen Synthesizers verbergen sich die reinsten Juwelen an neuen Klängen. Die Klangsynthese wird durch den LPC1347 mittels Wellenformtabellen und Pulsbreitenmodulation (PWM) realisiert.

Die Rechenkapazität des 32-bit ARM Cortex-M3 erlaubt sogar eine 16-Bit Pulsbreitenmodulation (im Gegensatz zu 8-bit beim Atmegatron). Der J²B ist eigentlich ein 9-bit-Synthesizer mit 32 voreingestellten Wellenformen. Zusätzlich kann der Anwender eigene Wellenformen definieren. Außerdem verfügt das Gerät über 15 verschiedene Filter (digital mit steilen Flanken) und zwei Hüllkurvengeneratoren mit unabhängig einstellbaren und umkehrbaren ADSR-Parametern, die für fantastische Klangeffekte sorgen. Das Ganze wird durch zwei LFOs mit 16 verschiedenen Wellenformen, einen Bit-Crusher und ein Distortion-Modul (Verzerrer) abgerundet, mit dem es möglich ist, die gewohnten Pfade der Klangwelt zu verlassen. All diese Elemente sind in ihren fast unendlichen Kombinationsmöglichkeiten durchaus der Mühe einer näheren Betrachtung wert.
weiter >> 1/2
Kommentare werden geladen...
Verwandte Artikel