Nur zwei Leitungen & mit Funk: Nach USB 3.1 jetzt USB 4.1?

1. April 2017, 00:00 Uhr
Neuer USB-4.1-Stecker. Bild: Rotkele
Neuer USB-4.1-Stecker. Bild: Rotkele
Man weiß nicht so genau, was so alles hinter den Kulissen läuft. Auch bei den Standardisierungsgremien werden im Hintergrund Fäden gezogen und die Big Player des Business bringen ihre Lobbyisten in Stellung und versuchen, ihre eigenen Vorstellungen indirekt in den Markt zu drücken. Manchmal hat das für den Kunden unerfreuliche Konsequenzen (Preis, Kompatibilität) – manchmal sind aber auch die Konsequenzen durchaus auch positiv (Vereinheitlichung, Leistung). Was genau dieses Mal gemauschelt wurde – man weiß es nicht. Bilden Sie sich Ihr eigenes Urteil! Wir verraten Ihnen, was uns unsere Informanten zugetragen haben:

Zunächst einmal fällt das Vorgehen auf. Das Normungsgremium will anscheinend dem Wildwuchs und dem Chaos bei USB ein Ende machen. Sie erinnern sich? USB 1.0, 1.1, 2.0 –Steckerwechsel– 3.0 –Steckerwechsel– 3.1 (C). Dazu noch die diversesten Mini-Steckervarianten. Spötter meinen, dass jeder Handy-Hersteller seine eigene Steckervariante erfunden hat. Dazu Datenübertragungsraten von 1,5 MBd (Low Speed), 12 MBd (Full Speed), 480 MBd (Hi-Speed), 5 GBd (SuperSpeed) und 10 GBd (SuperSpeed+) und übertragene Leistungen von 2,5 W (bis USB 2.0), 4,5 W (USB 3.0) und gar 144 W (USB 3.1), an die sich eh keiner hält. Außerdem wurde beim Übergang von USB 2.0 zu USB 3.0 die Pin-Anzahl mal flugs von 4 auf 9 Pins erhöht und bei USB 3.1 ist die Beschaltung fast eine Geheimwissenschaft geworden. Kein Wunder, dass das Gremium scheinbar beabsichtigt, die Notbremse zu ziehen...

very ARM Necocotex
Dank einem winzigen neuen ARM-Chip (viel kleiner als hier abgebildet) werden 4 x PCIe 4.1 auf 1 differentielle Leitung zusammengefasst. Mashup: Rotkele

Es sieht also so aus, als ob ein radikaler Schnitt kommt. Zunächst ein neuer Stecker: Er ist klein und sehr viel robuster als alles, was bisher serielle Daten transportiert hat. Er hat auf jeder Seite nur je zwei Kontaktpads, wodurch man den Stecker einstecken kann, wie rum man will. Er sieht fast so aus wie ein kleinerer Lightning-Stecker für die Mobilgeräte von Apple und ist zu nichts kompatibel, was vorher war. Zufall? Aussehen und das Prinzip, alte Zöpfe radikal abzuschneiden erinnern doch sehr an die Firma mit dem angebissenen Apfel. Wie man munkeln hörte, will Apple diesen Steckertyp beim neuen iPhone 8 einsetzen. Und scheinbar gab es – nach Jahrzehnten – eine Einigung zwischen den Hauptkonkurrenten Apple, Samsung, Intel, Microsoft und dem Chinesischen Staat, der ja bekanntlich hinter all den billigen Handys und Tablets aus Fernost steckt. Künftig also werden nicht nur alle Handys aus ökologischen Gründen mit den gleichen Netzteilen laufen, sondern auch mit den gleichen Kabeln. Das wäre super, oder? Laut gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen will Apple beim iPhone 8 denn auch gleich kein Netzteil mehr mitliefern. Das ist dann optional – gegen Aufpreis, versteht sich.
Doch was bringt USB 4.1 sonst noch?

Radikal ist es auch, von den immer mehr Pins auf nur noch zwei Leitungen zu setzen. Es handelt sich dabei um eine Art differentielles Leitungspaar mit MegaHighSpeed (Datenrate = 4 x PCIe 4.1 = 100 GBd). Dank der dicken und für sehr viele Steckvorgänge ausgelegten zwingend vergoldeten Pads des Steckers können hier Ströme bis zu 5 A (für 25 W) fließen. Handys können also extrem schnell geladen werden. Da aber extra Strom-Pads fehlen, wird die Energie direkt über die Datenleitungen übertragen. Auf der Empfängerseite muss man nur noch mit Schottky-Dioden (passiv und preiswert) oder geschalteten MOSFETs (aktiv, etwas teurer und besser) gleichrichten. Der Glättungskondensator kann aufgrund der ultrahohen Taktfrequenz mit 100 nF auch bei diesen Strömen sehr klein ausfallen. Der Clou: Steckt kein Stecker in der Buchse, wird ein ganz spezieller integrierter ARM-Neocortex-Chip die Daten per USB-Funk übertragen. ARM und Intel? Intel soll damit übrigens erst dann einverstanden gewesen sein, als sich ARM im Gegenzug dazu verpflichtete, auch die nächste Generation von Pentium-Prozessoren zu designen und auf Stromsparen zu trimmen. Zurück zum Funk: Dank der TV-Dividende (Sie wissen schon: Abschaltung von DVB-T und Einführung von DVB-T2) wird hierbei eine stromsparende Frequenz von 700 MHz genutzt, was auch zuhause einen weitreichenden Kurzstreckenfunk von bis zu 41 Metern durch Wände hindurch erlaubt.
Es geht also alles: Schnelles Laden, Anschluss von Mega-NVMe-USB-Sticks mit dem Tempo interner SSDs, Bildübertragung per Funk nicht nur zum Fernseher, sondern auch auf das Display im Auto. Fehlt also nur noch die Verschmelzung von Apple Car und Android Auto.

Noch eine Feinheit: Mit USB 4.1 ist der Stecker gemeint. Die zugehörige Buchse bezeichnet man aufgrund der Umkehrung des Steckers übrigens als USB 1.4 – schön einfach und logisch, nicht wahr? Angeblich soll USB 4.1 – oder sagt man besser 1.4? – die letzte USB-Variante bis zum Ende von Moore’s Law sein. Da dies bekanntlich in etwa 10 Jahren eintreten wird, hätten wir also endlich mal Ruhe vor weiteren unnötigen Neuerungen bis zum 01.04.2027. Irgendwie alles zu schön, um wahr zu sein, oder?
 
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