Kinder vor dem Handy – kein Problem!?

9. April 2019, 13:55 Uhr
Heftige Handynutzung offenbar nicht schlimm. Bild: pixabay.com, Free-Photos
Heftige Handynutzung offenbar nicht schlimm. Bild: pixabay.com, Free-Photos
Wissenschaftler der Oxford University fanden erstaunlicherweise keine relevanten Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen sogenannter Bildschirmzeit und Wohlbefinden bei Jugendlichen.

Basierend auf Daten von mehr als 17.000 Jugendlichen bezweifelt die Studie die weit verbreitete Auffassung, dass die online, beim Spielen oder Fernsehen verbrachte Zeit, (vor dem Schlafengehen), die psychische Gesundheit oder Entwicklung junger Menschen schädigen kann.

Statistik

Bei der statistischen Auswertung der vorliegenden Daten wurden kaum Hinweise auf relevante negative Zusammenhänge zwischen der Nutzung von digitaler Elektronik (mit Bildschirmen) und dem Wohlbefinden von Jugendlichen gefunden. Die Erfassung der psychischen Auswirkungen moderner Technik ist keine einfache Sache und demgemäß tummeln sich auf diesem Gebiet mehr Meinungen als belastbare Belege. Bei der Analyse von drei verschiedenen Datensätzen, zu denen auch verbesserte Messungen der Bildschirmzeit gehören, gab es nun kaum Hinweise darauf, dass die sogenannte „Bildschirmzeit“ (Screen Time) das Wohlbefinden von Jugendlichen verringert, selbst wenn die Benutzung dieser Geräte unmittelbar vor dem Schlafengehen erfolgt.

Die Forschung ergab, dass die tägliche Bildschirmzeit wenig Einfluss auf die psychische Gesundheit der Jugendlichen hatte. Dies gilt sowohl für das Wochenende als auch für Wochentage. Auch der Zeitpunkt der Nutzung scheint ohne Belang: Ob die Geräte zwei Stunden, eine Stunde oder 30 Minuten vor dem Schlafengehen verwendet wurden, machte keinen klaren Unterschied. Dies ist insofern erstaunlich, als gemeinhin in öffentlichen Medien und in der Pädagogik von der Schädlichkeit von Smartphone & Co. ausgegangen wird, und die in weiten Bereich die praktische Erziehung durch entsprechende Reglementierungen beeinflusst.

Methodik

Im Gegensatz zu anderen Studien wurden in Oxford Daten aus Irland (5.363 Personen, den USA (709 Personen) und Großbritannien (11.884 Personen) analysiert. Zudem wurde eine strengere Methodik als üblich verwendet, um die tägliche Bildschirmzeit von Jugendlichen zu ermitteln. Datenbasis waren neben Selbstberichten spezielle Zeiterfassungstagebücher. Dies ist ein wichtiger Aspekt, da viele Studien zum Thema digitale Technologien und Jugendliche ausschließlich auf relativ unzuverlässigen Selbstberichten basieren. Dies ist schon deshalb problematisch, da jüngere Arbeiten gezeigt haben, dass nur ein Drittel der Teilnehmer genau angibt, wie viel Zeit sie online verbringen, wenn sie danach gefragt werden.

Fazit

Insgesamt ergab die Studie, dass die Nutzung digitaler Geräte höchstens 0,4 % des Wohlbefindens von Jugendlichen erklärt. Letztlich hat das Tragen einer Brille einen negativeren Einfluss auf das Wohlbefinden von Jugendlichen zur Folge als die Bildschirmzeit.
 
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