Coronavirus bedroht Hightech-Produktion

17. Februar 2020, 09:00 Uhr
Coronavirus bedroht Hightech-Produktion
Coronavirus bedroht Hightech-Produktion
Nachdem laut WHO aktuell über 60.000 Menschen an dem unter COVID-19 oder 2019-nCoV bekannten neuen Coronavirus (Corona) erkrankt und schon über 1.600 Infizierte ≈ 2,5% gestorben sind (oder jetzt schon mehr), gibt es zunehmend weltweite wirtschaftliche Auswirkungen, die über den Rückgang von Flugverkehr und Tourismus hinausgehen. Es drohen Lieferengpässe in einigen Technologie-Branchen.
 
In China wurde nicht nur ein ganzer Landesteil mit etwa 60 Millionen Menschen abgeriegelt, was die Wirtschaft dort mehr oder minder zum Erliegen bringt. Neuerdings wurden gleich zig Millionen von Arbeitern von der Regierung aufgefordert, zu Hause zu bleiben. Gerade Angestellte sollen von zuhause arbeiten. Insgesamt aber sind schon seit Ende Januar viele Fabriken herunter gefahren worden. Die Produktion von Produkten, Teilen und Rohstoffen für Abnehmer auf der ganzen Welt ist betroffen
Doch nicht nur die pharmazeutische Industrie und damit die Medikamente-Produktion in Europa ist betroffen, da diese Branche besonders auf chinesische Lieferquellen angewiesen ist. Auch der High-Tech-bereich ist mittlerweile massiv betroffen, denn auch hier fungiert China als Werkbank der Welt. Apple ist wohl besonders stark betroffen, denn seine Auftragsfertiger wie etwa Foxconn erleben heftige Verzögerungen und Ausfälle in der Produktion. Apples Notebook-Fertigung ist jedenfalls schon betroffen.

Nebenwirkung der Globalisierung

Die Branchen High-Tech-Elektronik, Pharmazie und Automotive scheint die Abhängigkeit von China am stärksten erwischt zu haben. Globalisierten Lieferketten und Just-in-Time-Produktion macht die Industrie weltweit anfällig, wenn ein Glied am Anfang der Kette in Schwierigkeiten kommt. Wird ein einziger wichtiger Rohstoff knapp, können weder in Europa noch in den USA bestimmte Medikamente in ausreichender Quantität produziert werden. Fällt die Produktion kleiner aber unverzichtbarer mechanischer Teile in der Autoproduktion aus, kommen auf der anderen Seite des Globus ganze Fertigungsstraßen zum stehen. Das ist keine Schwarzmalerei: Hyundai hat aufgrund fehlender Teile aus China die komplette Fertigung in einem Werk in Südkorea gestoppt
 
Auch die Hersteller von Unterhaltungselektronik und Mobilgeräten sind auf Bauteilen wie Sensoren oder Bildschirmen aus China angewiesen. Nicht nur große, sondern auch viele kleine Unternehmen auf der ganzen Welt beziehen Produkte und Teile aus China.

Werden Smartphones knapp?

Die Auswirkungen können sich auch bald in den Regalen der Händler und Supermärkte bemerkbar machen. Besonders bei der Herstellung von Computern, Laptops, Fernsehern, Tablets und Smartphones ist mit einer erheblichen Verknappung zu rechnen. In der Folge dürften die Preise steigen
Letztlich dürfte sich schon bei dieser noch lokal begrenzten Epidemie der Spruch bestätigen: „Wenn China niest, dann erkältet sich die Welt“. Vermutlich dürften die aktuellen Entwicklungen aber dazu führen, dass Sicherheiten und Redundanzen in die Lieferketten eingebaut werden und die Abhängigkeit von China reduziert wird. Doch für die aktuelle Bedrohungslage kommen solche Maßnahmen zu spät.
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