AMD schlägt zurück / Die Zukunft von Silizium

17. März 2017, 07:00 Uhr
AMD schlägt zurück / Die Zukunft von Silizium
AMD schlägt zurück / Die Zukunft von Silizium
Es ist schon ein paar Jahre her, dass es Intel gelang, seinen Konkurrenten bei CPUs abzuhängen. Kürzlich aber hat AMD eine Trumpfkarte aus dem Ärmel gezogen: die neuen CPUs der Ryzen-Klasse. AMD möchte für das neue Spitzenmodell Ryzen 7 1800X einen Preis von 500 $ haben – eine klare Kampfansage an Intels Top-CPU i7-6900K, für die glatt 1.050 $ verlangt werden. Richtige Hardware-Junkies haben natürlich alle Vorberichte und Vergleichszahlen der letzten Zeit genauestens verfolgt. Den größten Rückschlag für AMD neues Aushängeschild geben Berichte, nachdem dieser Chip in manchen Situationen doch arg enttäuscht. Die Vermutungen bezüglich der Ursachen gingen zunächst in die Richtung, wie Windows 10 diese CPU erkennt. Die Ryzen-Architektur setzt nämlich auf je einen gemeinsamen L3-Cache für vier Rechenkerne. Dabei kommt der Scheduler (Die Windows-Routine, die festlegt, welche Task an welchen Kern delegiert wird) wohl nicht wirklich mit – der Typ1800X verfügt über acht Kerne – denn es kann vorkommen, dass ein Rechenkern für weitere Berechnungen Daten aus dem anderen L3-Cache benötigt, aber dieser Transfer kann nur über langsame Verbindungen stattfinden. Der Scheduler ist also für diese Core/Cache-Anordnung nicht optimiert. Es sieht allerdings so aus, als ob ein (NUMA-unterstützender) Windows-Patch hier aus der Patsche hilft.
Neuere Untersuchungen von AMD sprechen Microsoft aber frei. Es war wohl nicht der Scheduler, sondern am Leistungseinbruch ist einfach die jeweilige Anwendungssoftware schuld, die nicht das Maximum aus den Ryzen-CPUs herausholt. Laut AMD sollen of nur kleine Code-Änderung genügen, um die Kerne besser auszulasten. Es ist also wirklich kompliziert.

Nun weg von der Welt der Desktop-Spitzentechnik hin zur Arbeitswelt des Elektronikers: Auch hier hat man immer mehr mit Multicore-Technik zu tun. Obwohl selbst heute noch erstaunlich viele 4-bit-Mikrocontroller eingesetzt werden, werden deren große Brüder (oder doch eher Urenkel?) immer komplexer: 32-bit-Mikrocontroller mit acht Kernen sind schon über zehn Jahre auf dem Markt (siehe den Propeller von Parallax aus dem Jahre 2006, der mittlerweile von Propeller 2 mit 16 Kernen abgelöst wurde). Noch komplexer wird es im Bereich der ARM-Cortex-SoCs, die mehr vollständigen CPUs mit Zusätzen entsprechen als ordinären Mikrocontrollern. ARM-Technik findet sich gegenwärtig überall in Smartphones und Tablets. Diese Geräte sind heute deutlich leistungsfähiger als vollwertige Desktop-PCs noch vor zehn Jahren. Wenn jemand 2011 behauptet hätte, als HDTV als Standard noch nicht wirklich etabliert war, dass man fünf Jahre später ein Smartphone mit 4K-Display tatsächlich kaufen kann, das einen Prozessor enthält, der einem Intel i3 ebenbürtig ist, hätte man wohl einfach nur geschmunzelt und sich an die Stirn getippt. Manchmal verlaufen technische Entwicklungen atemberaubend schnell. Wenn man nur auf die Welt des IoT schaut und sich klarmacht, dass die relativ „dummen“ Sensoren von heute alsbald eine ähnliche Entwicklung mit exponentiell komplexeren Chips durchmachen werden, dann sind Szenarien wie in manchen wilden SciFi-Phantasien nicht mehr so unvorstellbar. Da wird es dann höchste Zeit, die Technik mit einer Prise Ethik zu würzen. Und das machen wir schon...
 
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