Jeder Elektroniker hat wahrscheinlich schon einmal nach einem Tischmultimeter gesucht,, um seine Geräteausstattung im Heimlabor zu erweitern. Nun muss ein solches Gerät aber viele Funktionen und gute Spezifikationen bieten, und außerdem muss es erschwinglich sein ... In diesem Fall könnte das neue Owon XDM1141 eine gute Wahl sein!
 
Owon XDM1141 front
Das Owon XDM1141 wird mit einem Netzkabel, einem USB-Kabel und Prüfspitzen mit (aufsetzbaren) Krokodilklemmen geliefert.

Das XDM1141 ist das jüngste Mitglied einer Serie von preiswerten Tischmultimetern des chinesischen Herstellers Owon. Dieses Unternehmen hat sich in den letzten Jahren auf Messgeräte spezialisiert, die gute Qualität zu einem sehr günstigen Preis bieten.
 

Ein Tischmultimeter ist im Heimlabor oft die bessere Wahl als ein Handmultimeter, da das Gerät stationär zwischen den anderen Geräten platziert werden kann und außerdem mit einem Netzteil ausgestattet ist.So kann man es problemlos den ganzen Tag eingeschaltet lassen. Das Owon XDM1141 ist das Nachfolgemodell des bekannten XDM1041, das bei Elektronikfreunden sehr beliebt ist. Es wurden viele Funktionen des Vorgängers übernommen, aber nun ist es mit einem (meiner Meinung nach) besseren Gehäuse ausgestattet.

Die Hardware

Das Kunststoffgehäuse ist sauber verarbeitet und mit den Maßen 20 x 8,8 x 15 cm etwas tiefer als sein Vorgänger, das XDM1041. Das hat den Vorteil, dass das Messgerät stabiler auf dem Tisch steht. Man muss das Gehäuse allerdings immer noch festhalten, bevor man eine Taste drückt, damit es nicht verrutscht. Die Frontplatte und alle Tasten sind identisch mit denen des XDM1041, auch die Optionen und Einstellungen sind gleich geblieben. An der Unterseite befindet sich eine Stütze, mit der die Vorderseite des Messgeräts leicht gekippt werden kann.
 
Owon Xdm1141 rear
An der Seite ist Platz für einen Lüfter vorgesehen, der jedoch bei diesem Messgerät nicht eingebaut wurde.
Auf der Rückseite des Geräts befinden sich ein Netzanschluss (einschließlich einer Halterung für die Netzsicherung) und ein USB-Anschluss für die Verbindung mit einem PC. Mit der Windows-Software, die bei Owon heruntergeladen werden kann, können Sie das Messgerät am Computer bedienen und auslesen. Neben den üblichen Messfunktionen verfügt das Messgerät auch über eine Datenaufzeichnungsfunktion, die es ermöglicht, Messwerte manuell oder automatisch zu speichern. Im Automatikmodus kann der Benutzer die Intervallzeit und die Anzahl der zu speichernden Messwerte (max. 1000) einstellen.

Allgemeines zum Owon XDM1141

Das große und übersichtliche Display mit einer Auflösung von 480 x 320 Pixeln zeigt den Messwert und die Funktionen der rechts neben dem Display angeordneten Softkeys an. Die Bildschirmhelligkeit ist in vier Stufen einstellbar. Der maximale Messwert beträgt 55.000 (4,5-stellig). Die Messgeschwindigkeit kann auf niedrig, mittel und hoch eingestellt werden. Bei niedrig ist dies etwas mehr als eine Messung/s und bei hoch etwa 2,5 Messungen/s. Die Autoranging-Funktion funktioniert gut, braucht aber eine gewisse Zeit für die richtige Einstellung. Manchmal dauert es ein paar Sekunden, bis der richtige Bereich gefunden ist und der Messwert erscheint. Auch bei Kapazitätsmessungen muss man sich in Geduld üben, bei größeren Elektrolytkondensatoren (100 µF und mehr) steigt die Messzeit schnell auf mehr als 10 s.


Über die den "Utility"-Taster können verschiedene Einstellungen vorgenommen werden, z. B. die Helligkeit des Displays, die Art des Temperatursensors, der maximale Widerstand für den Durchgangsprüfer, auf den er reagieren muss, und die maximale Vorwärtsspannung für den Diodentester. Außerdem gibt es Einstellungen für die serielle Schnittstelle (die sich auf den USB-Anschluss bezieht). Der Summer gibt einen ziemlich lauten Piepton von sich, kann aber im Menü ausgeschaltet werden. Schade ist, dass beim Ausschalten nicht alle vorgenommenen Einstellungen gespeichert werden, soweit ich das mitbekommen habe, wird nur die Display-Helligkeit gespeichert. Schließlich gibt es noch eine Zeiteinstellung für die eingebaute Uhr mit Pufferbatterie.
 
Owon Xdm1141 screen 1
Das Display ist hell und gut ablesbar, auch bei schrägem Blickwinkel.

Mit der Taste "Dual" können Sie zusätzlich zur Wechselspannung auch die Frequenz anzeigen lassen. Durch erneutes Drücken dieser Taste wird die Anzeige von Spannung und Frequenz auf dem Display umgeschaltet. Die Taste "Math" bietet die Möglichkeit, den Maximal-, Minimal- und Mittelwert auf dem Display unterhalb des Messwerts anzuzeigen, und es gibt eine dB-Funktion, bei der der Lastwiderstand eingestellt werden und eine relative Messung durchgeführt werden kann.

XDM1141 – die Genauigkeit

Zur Überprüfung der Genauigkeit des Owon XDM1141 habe ich es mit zwei professionellen Messgeräten (mit einer Grundgenauigkeit von 0,02% bzw. 0,03%) verglichen. In allen Bereichen ist die Genauigkeit ausgezeichnet und liegt weit innerhalb der Spezifikationen. Insbesondere die Gleichspannungsmessung ist ausgezeichnet (besser als die angegebene Grundgenauigkeit von 0,05 %). Bei Wechselspannungsmessungen fiel mir auf, dass das Messgerät im Auto-Modus keinen Wert unter 50 mV im Wechselspannungsbereich anzeigte. Wenn Sie jedoch manuell in den mVAC-Bereich wechseln, werden Werte unter 50 mV ab etwa 5 mV korrekt angezeigt. Bei Verwendung der Doppelfunktion (Wechselspannung + Frequenz) beginnt die Frequenzanzeige oberhalb von etwa 190 mV zu arbeiten. Der angezeigte Wert bleibt bis etwa 4 kHz genau und sinkt dann langsam ab. Das ist viel besser als der von Owon angegebene Wert (bis zu 1 kHz).
 
Owon Xdm1141 screen 2
Bis zu 1000 Messwerte können im internen Speicher abgelegt werden.

Für die Frequenz-/Periodenzeitmessung ist eine Mindesteingangsspannung von etwa 380 mVRMS für einen stabilen Messwert erforderlich. Bei höheren Frequenzen nimmt die Eingangsempfindlichkeit ab, aber mit etwa 1 VRMS kann immer noch der angegebene Messbereich von 60 MHz erreicht werden (die Messung solcher Frequenzen ist mit zwei Bananenbuchsen als Eingänge keine leichte Aufgabe). DC- und AC-Strommessungen bleiben sauber innerhalb der Spezifikationen von Owon (0,15% bzw. 0,5%). Sehr erfreulich ist die hohe Auflösung der Strommessungen (0,01 µA). Die Widerstandsmessungen sind ebenfalls genau, in der Regel innerhalb von 0,1 %. Kapazitätsmessungen zeigen etwas größere Abweichungen, die nahe an den Herstellerangaben liegen (2,5 % und 5 % bei größeren Werten), aber viele Multimeter haben damit Schwierigkeiten (die einzige Lösung hierfür ist ein gutes LCR-Messgerät). Das Messgerät kann keine Werte unter ca. 600...700 pF messen, es bleibt einfach auf Null stehen (aus irgendeinem Grund funktioniert es aber, wenn man die Rel-Funktion aktiviert). Temperaturmessungen sind ebenfalls möglich, man kann zwischen einem K-Typ-Thermoelement und einem PT100-Sensor wählen. Ich habe diese Funktion nur kurz mit einem Thermoelement ausprobiert, aber in Ermangelung einer geeigneten Referenz konnte ich die Genauigkeit nicht überprüfen; bei Raumtemperatur zeigte die Anzeige zumindest ein paar Grad zu wenig an.

Software

Auf der Owon-Website steht das Windows Programm DMMEasyControl zur Verfügung, mit dem das Messgerät über einen PC bedient und ausgelesen werden kann. Um das Programm zu installieren, müssen Sie zunächst die Software NI-VISA von National Instruments herunterladen und installieren. Dieses Paket wird von mehreren Messgeräteherstellern als Grundlage für ihre Software verwendet.
 
Owon XDM1141 PC software
Mit DMMEasyControl kann das Multimeter über einen Computer gesteuert werden.

DMMEasyControl ist ein relativ einfaches Programm, mit dem Sie alle Funktionen des Messgeräts steuern können. Es gibt eine Datenspeicherfunktion, um eine Reihe von Messwerten über den PC in einer Excel-Tabelle zu speichern. Die im XDM1141 gespeicherten Messreihen können auch über "Gerätedatenexport" in eine Excel-Tabelle übertragen werden. Das XDM1141 kann weiterhin über SCPI-Befehle gesteuert werden. Owon bietet hierzu ein umfangreiches Handbuch mit der Erklärung aller Befehle an.

Zusammenfassung

Das Owon XDM1141 bietet eine Menge für den Kaufpreis. In dieser Preisklasse gibt es nur wenige Multimeter, die so viele Optionen und eine so gute Genauigkeit vereinen. Leider gibt es auch einige kleinere Mängel, wie z. B. die Tatsache, dass vorgenommene Einstellungen nicht gespeichert werden und dass kleine Eingangsspannungen und Kapazitäten nicht angezeigt werden. Dies sind Probleme, die wahrscheinlich mit einem Firmware-Update behoben werden können. Abgesehen von diesen Kritikpunkten ist das Owon XDM1141 ein großartiges Tischmultimeter mit exzellentem Preis-/Leistungsverhältnis.

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Übersetzung: Holger Neumann