Weltrekord: Über 1600 km mit einer Batterieladung

10. Dezember 2013, 14:35 Uhr
Weltrekord: Über 1600 km mit einer Batterieladung
Weltrekord: Über 1600 km mit einer Batterieladung

Dieser Schluckspecht trägt seinen Namen zu Unrecht: 

Umgerechnet nur 0,16 l/100 km verbrauchte das Niedrigenergiefahrzeug „Schluckspecht E“ der Hochschule Offenburg auf seiner Rekordfahrt über 1631,5 km. Der Akku aus 14 handelsüblichen Lithium-Cobalt-Zellpaketen speichert nämlich nur 23 kWh. Der „Schluckspecht E“ hat es also geschafft, mit einem Energieverbrauch von nur 1,4 kWh auf 100 km auszukommen, was dem Energieinhalt von 0,16 Liter Benzin entspricht.

 

Dieser beeindruckende Weltrekord wurde am letzten Wochenende auf der Teststrecke der Firma Bosch in Boxberg (zwischen Heilbronn und Würzburg) aufgestellt. Bei Wind und Regen fuhren vier Fahrerinnen und Fahrer in insgesamt 36 Stunden und 12 Minuten den neuen Bestwert und übertrafen damit den bisherigen Weltrekord des Japan Electric Vehicle Clubs um über 600 km – und das, obwohl das japanische Team mit einer mehr als doppelt so großen Batterie (50 kWh) unterwegs war. Auch die Durchschnittsgeschwindigkeit des japanischen Teams wurde mit 45 km/h um 5 km/h übertroffen.

 

Der erfolgreiche Rekordversuch wurde vom TÜV Süd überwacht. Mit diesem Weltrekord knüpft das Offenburger Team an die erfolgreiche Teilnahme an der South-African Solar Challenge 2010 an, bei der 626,6 Kilometer erreicht wurden. Damals fuhr der Schluckspecht auf öffentlichen Straßen weiter als jedes andere Fahrzeug zuvor.

 

Das einsitzige elektrische Knausermobil wurde aufbauend auf einer Studie der Designerin Sunmin Lee (HS Pforzheim) entwickelt. Die Karosserie ist besonders windschlüpfrig, weil durch Verwendung von zwei Radnabenmotoren kein Platz für einen Motor und Getriebe benötigt wird. Das neu konzipierte Chassis wurde in Zusammenarbeit mit dem Fraunhoferinstitut EMI speziell für Batteriefahrzeuge ausgelegt und ermöglicht eine deutliche Gewichtsreduktion. Mit dem an der Hochschule Offenburg entwickelten Batteriemanagementsystem wurde die Last optimal auf die 14 Lithium-Cobalt-Blöcke verteilt.

 

„Dieser Erfolg ist ein Zeichen des hohen Niveaus, auf dem sich die Lehre und die Forschung und Entwicklung an der Hochschule Offenburg befindet“, erklärt Professor Dr. Ulrich Hochberg stolz.

 

Bereits seit 14 Jahren entwickelt die Hochschule Offenburg Modelle für sparsame Fahrzeuge. Vor nunmehr 5 Jahren hat die Hochschule einen Radnabenmotor mit integrierter Leistungselektronik vorgestellt, obwohl es für derartige Motoren damals noch keinen Markt gab. Inzwischen entwickeln mehrere Firmen parallel einen derartigen Motor zur Serienreife, darunter auch die Hochschule Offenburg in Zusammenarbeit mit der Firma Evomotiv. Für den Radnabenmotor wurde der Schluckspecht 2006 mit dem Innovationspreis des Shell Eco-Marathons ausgezeichnet. In diesem Jahr erhielt das Schluckspecht-Team für das neue Rahmenkonzept BSS (BowStringStructure) den Innovationspreis des South West Research Instituts (San Antonio, Texas).

 

Weitere Informationen:

www.schluckspecht.net

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