The Art of Electronics: Reparieren

26. Mai 2016, 10:00 Uhr
The Art of Electronics: Reparieren
The Art of Electronics: Reparieren
Vor einigen Wochen habe ich Sie zum Widlarisieren all der Teile aufgefordert, deren Funktion und Einhaltung der Spezifikationen nicht zu 100% sicher ist. Es ging darum zu verhindern, dass man allzu vertrauensvoll in die Grabbelkiste greift, um mit deren Bauteilen eine Schaltung aufzubauen, die man gerade gezeichnet hat. Es geht um Dinge wie diese kleine 6-V-Glühlampe mit dem ungewöhnlichen Sockel, an die man der Einfacheit halber Drähte anlötet. Der aufgedruckte zehnstellige Code: meint dies tatsächlich 6 V? Und was ist mit diesem Timer da? 555 von National Semiconductor, dem kann man doch glauben, oder? Doch Hand aufs Herz: Steht da nicht kaum lesbar eine 7 vor der 5? Oder ist das IC nicht irgendwann einmal heißgelaufen?

Wer gut im Entwickeln von elektronischen Schaltungen ist, der hat möglicherweise ein noch unentdecktes zweites Talent. Wer neue Elektronik von Anfang an entwickelt und sie zum Laufen bringt (wovon Indiegogo & Co. ja leben), kann Fehler eliminieren und etwas schrittweise zu einem erfolgreichen Ende bringen. Dass etwas „funktioniert“, ist auch bei der Reparatur von Geräten nicht ganz unwichtig.
Es geht hier nicht um den Wasserkocher des Nachbarn, sondern um Geräte, die Sie immer schon haben wollten, aber die Ihnen einfach zu teuer waren. Ganz wie bei der Entwicklung des Uno R4 von Elektor geht es bei der Instandsetzung eines defekten Juwels um Cleverness, Geduld, soziale Fähigkeiten, geschickte Schachzüge, Risiko-Management, Fingerfertigkeit, Geld und natürlich auch um eine Prise Glück. Google hilft. Und eBay etc., Foren sowieso, vielleicht auch Dave Jones

Heutzutage ist es gar nicht mehr so schwer, Geräte zu finden, die zu ihren besten Zeiten (also vor zehn Jahren) ein Vermögen gekostet haben. Jetzt sind solche Schätzchen eher auf Inventarlisten als „defekt“ oder „abgeschrieben“ zu finden. So geht es vielen alten Oszilloskopen, Audio-Messgeräten, Multimetern und Netzteilen, die mit dem Etikett „analog“ gestraft sind. Die Regel ist ganz einfach: Je staubiger und je komplexer so ein Gehäuse voll Elektronik ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Labor-Leiter oder sonst eine berechtigte Person das Ding „spendet“ und froh ist, es los zu haben. Man nutze die Gelegenheit, denn der böse Fehler ist doch meistens ein Witz verglichen mit den Beschädigungen, die das Teil hat, wenn es erst in hohem Bogen auf den Müll geworfen wird.

Das Management von Elektor und auch etliche meiner im Verkauf tätigen Kollegen sind da zwar nicht so ganz meiner Meinung, doch meine ich, dass eine interessante Reparatur genau so viel Vergnügen bereitet und man dabei ebenso viel lernt, wie wenn man eine Schaltung von Grund auf neu entwickelt. Also erzählen Sie mir von Ihren Erfolgsgeschichten. Sagen Sie mir, welches Gerät Sie kürzlich wieder zu neuem Leben erweckt haben. Interessant ist natürlich auch, welche Bauteile Sie letzthin dem Gedenken an Herrn Wildlar geopfert haben...
 
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