Review: Mikroskop Andonstar AD407

21. November 2019, 14:38 Uhr
Review: Mikroskop Andonstar AD407
Review: Mikroskop Andonstar AD407
Schon seit Jahren sind digitale optoelektronische Geräte mit USB-Anschluss auf dem Markt, die als „Mikroskope‟ gehandelt werden. Die ersten Modelle waren mechanisch zu instabil, um damit in einem Elektroniklabor vernünftig arbeiten zu können. Hinzu kam, dass der Abstand zwischen Objektiv und Objekt für Arbeiten mit dem heißen Lötkolben zu kurz war. Bei solchen Arbeiten, zum Beispiel an Platinen mit SMDs, kam weiterhin eine Lupenleuchte oder Lesebrille zum Einsatz. Andere optische Hilfsmittel waren entweder für die Praxis untauglich, oder sie waren zu teuer.

Ein wesentlicher Fortschritt kam mit dem USB-Mikroskop Andonstar A1: Endlich ein erschwingliches und standfestes Gerät, das über USB mit einem PC verbunden wird. Das Objekt erscheint stark vergrößert auf dem PC-Bildschirm. Schon bald brachte der Hersteller ein Nachfolgemodell auf den Markt, bei dem das Objekt auf einem integrierten Farb-LC-Display dargestellt wird. Der vorher zum Betrachten notwendige PC wurde entbehrlich, was eine enorme Verbesserung bedeutet. Der Hersteller hat die Produktlinie weiter ausgebaut, so dass vom Elektor-Store bisher vier Versionen angeboten wurden. Das neu erschienene fünfte Modell ist das Andonstar AD407, das wir hier vorstellen. Wir wollen der Frage nachgehen, wie sich dieses Modell von seinem Vorgänger unterscheidet.

Was die Leistung und den Preis betrifft, kommt das neue Modell AD407 seinem Vorgänger ADSM302 am nächsten. In unserem Test haben wir die Eigenschaften und Merkmale des AD407 mit dem ADSM302 verglichen.

Darstellung und Speicherung

Wenn die Modelle AD407 und ADSM302 wie in Bild 1 nebeneinander auf dem Tisch stehen, fällt zuerst der Unterschied der Bildschirmformate auf. Beim neuen Modell ist die Diagonale um 5 cm (2 Zoll) größer als beim alten. Für die meisten alltäglichen Feinarbeiten reicht der 5‑Zoll-Bildschirm des alten Modells zwar aus, doch im Elektor-Labor haben wir über HDMI einen externen 10‑Zoll-Bildschirm angeschlossen. Die Bildschirmdiagonale wird dadurch verdoppelt.
 

Bild 1. Das USB-Mikroskop Andonstar AD407 (rechts) und sein Vorgänger ADSM302.

Die zu den Geräten gehörenden Dokumentationen sind leider nicht sehr aufschlussreich, wenn es um technische Daten zur Bildqualität geht. Laut Hersteller ist im neuen AD407 ein 4-Megapixel-Sensor verbaut, während der Sensor des alten ADSM302 aus etwas weniger als 3 Megapixeln besteht.

Laut den technischen Daten bieten beide Mikroskope eine fotografische Auflösung von 12 Megapixeln (4032 ∙ 3024). Diese Auflösung haben auch die Fotos, die vom betrachteten Objekt aufgenommen werden können (JPG-Dateien), um sie auf einem PC wiederzugegeben. Die höhere Pixelanzahl des neuen Modells lässt erwarten, dass die Bildqualität höher als beim alten ist. Ein weiterer Unterschied betrifft den digitalen Zoom: Das alte Modell hat einen digitalen Zoom bis 4x, während das neue Modell seine Grenze bei 3x erreicht. In der Detailwiedergabe unterscheiden sich beide Modelle kaum voneinander, das Bild des neuen AD407 erscheint lediglich etwas schärfer.

Das Video-Ausgangssignal am HDMI-Anschluss hat beim neuen Modell eine deutlich höhere Qualität als beim alten, sowohl hinsichtlich der Auflösung als auch der Bildrate. Das mag für den beabsichtigten Einsatzbereich nebensächlich erscheinen, doch diese Eigenschaften sind wichtig, wenn Präsentationen oder Demonstrationen auf großflächigen Bildschirmen vorgeführt werden sollen.

Die Bildübertragung über USB zum PC ist beim AD407 nicht mehr möglich, was eigentlich keinen Verlust darstellt. Mit dem großen Farb-LC-Display und dem HDMI-Ausgang ist eine USB-Verbindung für die Echtzeit-Bildwiedergabe verzichtbar geworden. Sie funktionierte bei den älteren Modellen des Andonstar sowieso nicht optimal. Wenn Aufnahmen dokumentiert werden sollen, sind Fotos oder Videos auf einer Micro-SD-Karte speicherbar, anschließend können die Aufnahmen auf einem PC bearbeitet werden.

Stative

Beide Mikroskope sind mit robusten und standsicheren Stativen ausgerüstet, die nur wenige Wünsche offen lassen. Das Ausleuchten der Objekte übernehmen bei beiden Modellen zwei LED-Spots an flexiblen, biegsamen Armen. Die LED-Spots verbreiten zwar genügend Licht, doch erfahrungsgemäß sind sie „immer‟ im Weg, oder sie nehmen falsche Positionen ein. Wenn sich Hände oder Werkzeuge vor den Spots befinden, wird das Licht abgeschattet, der Betrachter sieht nur noch schemenhaft, was vor sich geht. Manchmal ist das Ausrichten der Spots etwas mühsam, die Arme können zurückspringen, wenn sie losgelassen werden. Eigentlich ist unverständlich, weshalb der Hersteller an dieser Art der Beleuchtung festhält. Ein LED-Ring, angeordnet um das Objektiv, dürfte in vieler Hinsicht effizienter sein.

Die Stative des ADSM302 und des AD407 sind nicht identisch, sie unterscheiden sich in wesentlichen mechanischen Eigenschaften. Das Stativ des Modells ADSM302 kann damit punkten, dass der Objektabstand (Abstand zwischen Objekt und Objektiv) bis zu etwa 12 cm betragen kann. Beim neuen Modell AD407 steht die Objektivunterkante nur bis zu 8 cm über dem Objektträger. Falls das zu einem Problem führt, lässt es sich meistens mit etwas Improvisation lösen. Beim Objektabstand ist das neue Modell dem alten unterlegen. Dafür kann das AD407 mit einer Neuerung aufwarten, die wirklich praktisch ist: Der Standwinkel der Stativsäule lässt sich verstellen (siehe Bild 2), so dass die Objekte auf dem Bildschirm auch von der Seite betrachten werden können. Diese nützliche Option fehlt beim Vorgänger.

Bild 2. Durch den verstellbaren Stativwinkel können Objekte auch von der Seite betrachtet werden.

Zubehör

Ebenso wie beim ADSM302 gehören zum Lieferumfang des AD407 ein Netzteil mit Kabel und Klinkenstecker für die Beleuchtung sowie einem Micro-USB-Stecker für die Elektronik. Auch hier wurde ein Detail verbessert: Das USB-Kabel hat jetzt einen rechtwinkligen Stecker, so dass dem Kabel scharfe Knicke erspart bleiben (Bild 3). Das Problem des Kabelbruchs trat bei intensiver Nutzung gelegentlich bei den älteren Modellen auf.

Bild 3. Der abgewinkelte USB-Stecker trägt zur Lebensdauer des Kabels bei.

Beide Mikroskope werden mit Infrarot-Fernbedienungen geliefert, die nach unserer Erfahrung lediglich beim Aufnehmen von Fotos nützlich sind. Damit lässt sich vermeiden, dass sich das Bild während der Aufnahme bewegt oder verschiebt. Davon abgesehen halten wir eine Fernbedienung bei Mikroskopen dieser Art nicht für einen echten Mehrwert.

Zum AD407 gehört auch ein Inbusschlüssel, mit dem das Stativ montiert wird; laut Anleitung ist er auch zur Montage eines UV-Filters bestimmt. Das UV-Filter fehlte im Zubehör unseres Mikroskops, und um ehrlich zu sein: Auf Anhieb hätten wir nicht gewusst, welchem Zweck dieses Filter dient.

Offen ist noch die Frage, ob der Kauf des neuen Modells AD407 in Betracht gezogen werden sollte, wenn bereits ein früheres Modell zum Inventar gehört. Bei den Typen A1, V160 und ADSM201 ist unsere Antwort ein klares „Ja‟, beim ADSM302 fällt unsere Antwort etwas zurückhaltender aus.

Ein Objekt aus der Winkelperspektive betrachten zu können, ist wirklich praktisch, doch dazu ist ein spezielles Stativ nicht unbedingt nötig. Auch das Objekt kann geneigt werden, um diesen Effekt zu erzielen. Mit dem großflächigen LC-Display wird das neue Modell AD407 zu einem eigenständigen, unabhängigen Mikroskop. Wie schon erwähnt, haben wir im Elektor-Labor unserem ADSM302 einen großen Bildschirm zur Seite gestellt. Beim AD407 ist ein externer Bildschirm überflüssig, der Platz auf dem Arbeitstisch wird frei. Das kann schon Grund genug sein, dem AD407 eine klare Präferenz zu geben, falls der Kauf eines neuen Geräts ansteht. Sofern das Budget es zulässt, würden wir ein vorhandenes USB-Mikroskop ADSM302 durch ein neues Modell AD407 ersetzen.
 


 
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