Mobilgeräte im Flugzeug

10. Dezember 2013, 14:36 Uhr
Mobilgeräte im Flugzeug
Mobilgeräte im Flugzeug

Fast solange es Handys und andere Mobilelektronik gibt, bestehen fast alle Airlines auf dem völligen Stromlosmachen dieser modernen Reisebegleiter. Dies obwohl bislang noch kein einziger Fall existiert, wo ein Passagierflugzeug wegen eines solchen eingeschalteten Mobilgeräts abgestürzt wäre. Warum also soll man in der Start- und Landephase keine Musik mit iPod hören und kein Buch lesen können?

 

Nach einer kürzlich durchgeführten Studie ignorieren sogar bis zu einem Drittel der Passagiere diese Anordnungen gelegentlich und trotzdem ist deswegen wohl noch kein Flieger vom Himmel gefallen. Außerdem werden von den ersten Airlines neuerdings iPads vom Personal während des Fluges eingesetzt. Es gibt sogar Flugzeuge, die integriertes WLAN bieten. Warum also soll es nicht zumindest erlaubt sein, den in Smartphones und Tablets vorhandenen Flug-Modus einzuschalten, bei dem bekanntlich die stärksten elektromagnetischen Strahler für Mobilfunk und WLAN ausgeschaltet sind?

 

Nun, der fehlende einwandfrei darauf zurückzuführende Flugzeugabsturz ist ein schlechtes Argument. Denn wenn man genau nachschaut, dann hat es in den letzten Jahren eben doch schon einige Zwischenfälle gegeben, die zumindest gefährlich waren, da Piloten gerade in den beiden kritischen Phasen von Start und Landung durch Interferenzphänomene mit der Flugzeugelektronik zumindest gestört oder abgelenkt wurden. Und die Interferenzen verschwanden, nachdem die Übeltäter von der Crew entdeckt und ermahnt wurden. In großer Flughöhe haben die Piloten mehr Zeit und Ruhe, auf Störungen zu reagieren. Daher ist in dieser Phase der Betrieb von Elektronik durch in aller Regel Passagiere erlaubt.

Und es gab sogar einen richtigen Flugzeugabsturz, nur eben einer Frachtmaschine. Im Jahre 2003 gab es im neuseeländischen Christchurch einen Crash einer Maschine bei der Landung, bei dem acht Menschen inklusive des Piloten starben. Ursache war, dass der Pilot kurz vor der Landung mit seinem Handy nach Hause telefoniert und dann vergessen hatte, es auszuschalten. Was eben zu in diesem Falle tödlichen Interferenzen führte.

 

Jedem Elektroniker müsste eigentlich absolut klar sein, dass auch bei modernen und damit gut abschirmten Flugzeugen unter ungünstigen Umständen selbst kleine Störstrahlungen zu Fehlern oder Abweichungen in den doch recht empfindlichen Instrumenten im Cockpit führen können. Und mit dem Leben spielt man nicht. Angeblich sind in den letzten sieben Jahren 75 relevante Interferenz-Ereignisse im Luftverkehr aufgetreten, die auf Mobilgeräte zurückgeführt werden. Das sind 75 Ereignisse zu viel. Als Elektroniker kann man beim nächsten Flug vielleicht etwas Gutes tun und einen unvernünftigen Zeitgenossen über die Risiken seines Tuns aufklären, wenn dieser der Aufforderung der Crew nicht nachkommen sollte.

 

Bild: Cockpit eines Airbus A319 von Ralf Roletschek

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