MIT-Umfrage: Moralische Autos?

29. Oktober 2018, 09:28 Uhr
Moralisches Dilemma autonomer Autos. Bild: mit.edu
Moralisches Dilemma autonomer Autos. Bild: mit.edu
Millionen Teilnehmer aus über 200 Ländern wurden zu unterschiedlichen Versionen sogenannter ethischer Dilemmata befragt, die sich für die Elektronik autonomer Fahrzeuge ergeben können. Im Prinzip muss sich das Auto bei einem drohenden Unfall für eine von zwei potenziell tödlichen Alternativen entscheiden.

Das MIT Media Lab versucht mit einer Umfrage moralische Prinzipien zu erheben, auf die autonome Autos im Notfall zurückgreifen müssen. Dabei gibt es drei Kriterien, an denen sich Menschen orientieren:
  • Spezies: Das Leben von Menschen hat Vorrang vor dem Leben von Tieren.
  • Quantität: Das Leben vieler Menschen ist wichtiger als das weniger Menschen.
  • Alter: Schonung des Lebens junger Menschen gegenüber dem älterer Menschen.

Diese Kriterien waren bis zu einem gewissen Grad global und allgemein anzutreffen. Aber die Gewichtung und der Grad der Zustimmung variiert lokal. Es zeigte sich besonders in Asien eine geringere Tendenz, das Leben junger Menschen gegenüber dem von Älteren zu bevorzugen.

Die Umfrage selbst basiert auf einer Art „moralischer Maschine“ – ein mehrsprachiges Online-Spiel, in dem die Teilnehmer ihre Präferenzen zu diesen von Dilemmata angeben konnten. Ein Beispiel-Dilemma: Sollen autonome Autos das Leben von gesetzestreuen Passanten oder das von "gesetzeswidrigen" Fußgängern retten, die sich verkehrswidrig oder riskant verhalten? Hier wollten die meisten Teilnehmer eher das Leben Ersterer schonen.
 
Hintergrund der Umfrage zu moralischen Dilemmata autonomer Fahrzeuge. Video: mit.edu

Die Studie erzielte bisher fast 40 Millionen individuelle Entscheidungen aus 233 Ländern. Die Teilnehmer wurden nach Alter, Bildung, Geschlecht, Einkommen sowie politischen und religiösen Ansichten in Subgruppen eingeteilt sind. Auf der Basis rein demographischer Merkmale zeigten sich keine ausgeprägten Unterschiede, aber es gab Cluster von moralischen Präferenzen bezogen auf kulturelle und geografische Zugehörigkeiten. Teilnehmer in südlichen Ländern hatten gerade im Vergleich zu denen östlicher Länder eine stärkere Tendenz, junge Menschen gegenüber älteren Menschen zu bevorzugen.

Die Frage ist nun, ob solche Unterschiede für die Akzeptanz dieser neuen Technologie von Bedeutung sein werden. Auf jeden Fall ist es wichtig, dass die Öffentlichkeit diese Thematik diskutiert und sich auch an diesen Fragen beteiligt, wie es ja durch diese Umfrage auch praktiziert wird. In der renommierten Zeitschrift Nature wurde diese Untersuchung unter dem Titel „The Moral Machine experiment“ veröffentlicht.
 
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