Können Aliens unsere Systeme hacken?

28. Februar 2018, 13:04 Uhr
Erdfunkstelle Raisting in Bayern. Bild: Richard Bartz, Wikimedia, CC 2.5
Erdfunkstelle Raisting in Bayern. Bild: Richard Bartz, Wikimedia, CC 2.5
Astrophysiker beschwören die Gefahr eines Hacks aus dem All. Sie argumentieren, dass eine aufgefangene Message aus dem All mit Schad-Code für die (primitiven) Netzwerke der Erdlinge präpariert sein könnte. Ist das möglich oder spricht mehr dagegen als dafür?

Tatsächlich outen sich neuerdings Wissenschaftler darüber besorgt, dass Außerirdische uns bösartige Nachrichten senden könnten. Und das nicht um unsere Passwörter für das Online-Banking zu klauen, sondern um die menschliche Kultur auf Terra kollabieren zu lassen. Bevor man überlegt, wie realistisch das sein könnte, sollte man sich die von den beiden Astrophysikern Michael Hippke und John Learned kürzlich veröffentlichten Überlegungen zu Gemüte führen:

Demnach könnten unsere irdischen, aufs Weltall ausgerichteten Teleskope u.U. gefährliche Messages empfangen, die z. B. mit einem speziellen Supervirus kontaminiert sind, der all unsere Computer abstürzen lässt. Oder aber die gemeinen Aliens schicken uns einfach eine kleine Erpressung derart, dass wir dies & das für sie tun sollen, sonst lassen sie unsere Sonne eben mal kurz als Supernova explodieren. Weiter wäre es denkbar, dass ein Schad-Code uns bzw. unsere Anlagen dazu bringt, sich selbst replizierende Nano-Bots zu bauen, die dann die Herrschaft über die Erde übernehmen und alles organische auffressen.

Soweit, so gruselig. Phantasy down – Ratio up.

Wir alle und besonders unsere Astrophysiker wären sicherlich sehr erstaunt, sollte sich unsere im All-Maßstab eher kleine Sonne, aber als Himmelskörper eher doch große Masse so simpel in eine Supernova verwandeln lassen. Dazu dürfte mehr gehören, als eine Message Richtung Terra zu schicken. Und dass wir etwas für uns so wahnsinnig überlegene Aliens tun sollten, ist etwa so plausibel, wie wenn wir mit einer Zeitmaschine Neandertaler dazu zwingen wollten, uns die Schuhe zu putzen – absoluter Quatsch. Was Nanoroboter angeht, so müssen die Aliens nur noch ein paar Jahrzehnte warten und schon bauen wir solche Dinger selber, ganz ohne Anstoß aus dem All ;-)

Auch aus anderen Gründen können wir beruhigt am IoT weiterbasteln, ohne Angst haben zu müssen, dass die Aliens unsere Netze übernehmen und gegen uns wenden. In unserer nächsten Nachbarschaft wie z. B. dem Sternsystem Proxima Centauri gibt es wohl keine habitablen Planeten. Folglich müssen die Aliens mindestens einige zig Lichtjahre weiter weg wohnen. Und wenn sie mit wahnsinnig überlegener Supertechnologie die ersten Hertzschen Wellen der Menschheit etwa von 1900 aufgefangen hätten, wäre darin nichts Computerartiges zu finden gewesen. Und selbst Fernsehbilder von vor 40 Jahren, die vielleicht einen PET 2001 zeigten, wären nicht sehr hilfreich:
  1. Müssten die Aliens dann nur 20 Lichtjahre weit weg wohnen (extremst unwahrscheinlich), um uns rechtzeitig zum Jahre 2018 mit extremst hoher Energie eine Schad-Nachricht schicken zu können.
  2. Für was für ein System? In welchem Code? Der umgekehrte Fall wie bei der reichlich albernen Szene im Film Independance Day, wo mal eben schnell mit einem 90er-Jahre-Laptop der völlig unbekannte Zentralcomputer der technologisch weit überlegenen Aliens gehackt wird. Das entspricht dann dem Versuch, mit einem iPhone X einen C64 aus der Ferne zu hacken (ohne zu wissen, ob es ein C64 oder ein TRS-80 ist) und das mit Pingzeiten, die sich in Jahrzehnten messen lassen...

Sie können also völlig beruhigt sein: Kein Alien wird je zu Ihren Lebzeiten die Herrschaft über Ihren Arduino oder Ihren Raspberry Pi übernehmen – auch wenn sich das beim Debuggen von Code manchmal so anfühlen mag, als würde die MCU fremden Mächten gehorchen ;-)
 
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