Magnetisierbarer Beton - Interview mit Mauricio Esguerra

25. Juli 2018, 16:20 Uhr
Mauricio Esguerra
Mauricio Esguerra
MAGMENT ist ein deutsches Start-up-Unternehmen, das magnetisierbares Betonmaterial auf Zement- oder Asphaltbasis herstellt. CEO Mauricio Esguerra beschreibt die patentierte Technologie des Unternehmens, die die mechanischen Eigenschaften von konventionellem Beton durch die Einbettung von Ferritpartikeln als magnetische Zuschlagstoffe zeigt. Diese Ferritpartikel werden aus Recyclingmaterial aus der Ferritindustrie und Elektronikschrott gewonnen.


Udo Bormann (Elektor): Was ist die Geschichte hinter MAGMENT?
 
Mauricio Esguerra: Ich komme ursprünglich aus Bogotá, Kolumbien. Ich bin für mein Studium nach München gezogen und habe an der TU München Physik studiert. Als leidenschaftlicher Physiker habe ich mehr als 20 Jahre für Siemens gearbeitet. Jetzt habe ich über 30 Jahre Erfahrung auf dem Gebiet der ferromagnetischen Materialien und Anwendungen. Zusammen mit Ralph Lucke, er hält einen Doktortitel in der Keramiktechnologie, gründete ich 2015 das Startup MAGMENT (MAGnetic ceMENT) zur Bearbeitung und Verbesserung von magnetisierbarem Beton. Dieser patentierte magnetisierte Beton kann in einer Vielzahl von Anwendungen eingesetzt werden, wie z.B. leistungsinduktive Bauelemente, dynamisches drahtloses Laden, induktives Kochen und Heizen, niederfrequente und hochfrequente Abschirmung und EMV, sowie Elektromotoren.

 
Magnetisierbarer Beton, MAGMENT UG, 2018
 

Udo: Was war der Grund für Sie und Ihren Mitbegründer, MAGMENT im Jahr 2015 zu starten?
 
Mauricio: Wir haben festgestellt, dass insbesondere die in vielen Elektronikprojekten verwendeten induktiven Bauelemente entweder überdimensioniert sind oder nicht perfekt zum jeweiligen Projekt passen. In der Regel wurde das Projekt um die induktiven Bauelemente herum aufgebaut. Dieser "inductive components headache" war der Ausgangspunkt von MAGMENT. Die Idee war, ein Material zu schaffen, das einfach zu formen ist und trotzdem eine gute Leistung bringt. Ein weiterer Punkt war, dass wir bei Siemens und EPCOS bereits an magnetisierbarem Material gearbeitet haben und dabei an den Stärken der Materialien forschten. Wie meistens in der Wissenschaft war es eher ein Zufall, dass wir magnetische Materialien mit Zement kombiniert haben. Die erste Idee war, Kunststoff mit magnetischem Material zu kombinieren, aber das hat nicht funktioniert, also haben wir andere Materialien ausprobiert, bis wir die perfekte Passform hatten. Wir haben dadurch nun mehr als 20 Jahre Entwicklungsprozess hinter uns. 

 
Udo: Was sind die Vorteile des Verfahrens?
 
Mauricio: Erstens verwendet der Magnetisierbare Beton Rohstoffe aus dem Recycling. Das macht es wirklich kostengünstig und stark magnetisch. Zweitens bietet die magnetisierbare Betontechnologie ein fließfähiges Material, das sehr robust und langlebig ist und jede gewünschte Form annehmen kann. Drittens haben wir ein neu entwickeltes, kundenfreundliches Software-Tool - MAGMATH. Diese Online-Designsoftwarelösung für kundenspezifische Magnetik ist kostenlos. Die Software ist projektorientiert, d.h. der Kunde kann seine elektrischen, dimensionalen und Temperatur-Anforderungen eingeben und das Programm generiert und berechnet das benötigte induktive Bauelement. Im nächsten Schritt kann der Kunde wählen, ob er die Kosten senken oder die Leistung verbessern möchte. Schließlich kann der Kunde ein Muster bestellen und in seinem Projekt einbauen.

MAGMATH Software, MAGMENT UG, 2018
Leistungsinduktoren, MAGMENT UG, 2018
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