Ewiges Leben: Hybrider Lohner-Porsche "Semper Vivus"

10. Dezember 2013, 14:35 Uhr
Ewiges Leben: Hybrider Lohner-Porsche "Semper Vivus"
Ewiges Leben: Hybrider Lohner-Porsche "Semper Vivus"

Im Jahre 1900 betrat Ferdinand Porsche, späterer Gründer des bekannten Sportwagenherstellers „Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG“ in Stuttgart, ausgesprochenes Neuland. Als Angestellter der „k. u. k. Hofwagenfabrik Ludwig Lohner & Co.“ in Wien entwickelte er ein Elektromobil, das unter dem anspruchsvollen Namen „Semper Vivus“ auf der epochalen Weltausstellung 1900 in Paris großen Eindruck auf das Publikum hinterließ.
 
Elektro-Autos waren zu der Zeit nicht mehr neu. Die schnellsten Autos der Welt mit damals schon fast 100 km/h waren Elektro-Autos. Neu und von Porsche patentiert hingegen war der Radnabenmotor. Diese Erfindung erlaubte den Verzicht auf damals wenig leistungsfähige Getriebe und ermöglichte sogar einen Vorderradantrieb, der wenig Rückwirkung auf die Lenkung hatte. Der Lohner-Porsche erreichte mit einem 410 kg schweren Blei-Akku eine damals beachtliche Spitzengeschwindigkeit von 50 km/h bei einer Reichweite von 50 km.
Noch im gleichen Jahr stattete er einen Rennwagen mit einem zweiten Paar Nabenmotoren für die Hinterräder aus und erfand so den ersten Allrad-Antrieb der Welt. Der Rennwagen erreichte wegen des enorm schweren Blei-Akkus (1800 kg) nur ein leicht höheres Tempo von 60 km/h.
 
1902 schließlich umging Porsche problematische Getriebe und Kupplungen sowie das hohe Akku-Gewicht, indem er in seinen „Mixte-Wagen“ einen Verbrennungsmotor der Firma Daimler einbaute, der über einen damit angetriebenen Stromgenerator die Radnabenmotoren antrieb und über einen gegenüber reinem Elektro-Antrieb deutlich verkleinerten Puffer-Akku verfügte. Das erste Hybrid-Auto der Welt war geboren und stammte definitiv nicht von Toyota ;-)
 
In den letzten vier Jahren war das Porsche Museum in Stuttgart damit beschäftigt, einen Semper Vivus möglichst authentisch nachzubauen, da kein komplettes Original mehr erhalten war. Dabei mussten in einer aufwändigen Suche alte Teile aufgestöbert und alte Arbeitstechniken nachempfunden werden. Auf dem Autosalon 2011 schließlich konnte dann die Wiedergeburt eines über 100 Jahre alten Gefährts der staunenden Öffentlichkeit fahrbereit demonstriert werden.

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