EU-Richtlinie: PC-Netzteile mit Brennwerttechnik

10. Dezember 2013, 14:35 Uhr
EU-Richtlinie: PC-Netzteile mit Brennwerttechnik
EU-Richtlinie: PC-Netzteile mit Brennwerttechnik

Brüssel: Nachdem sich auf Druck der EU-Kommission im Rahmen der Ökodesign-Richtlinie der Mobilfunkverband GSM Association schon 2010 selbst verpflichtet hatte, ab 2012 einheitliche Handy-Ladegeräte zu verwenden, die zudem einen Energiebedarf im Leerlauf von 300 mW nicht überschreiten, wollen nun der BCH (Bundesverband der PC-Hersteller) in Kooperation mit der EUCAP (EU Commission for Alternative Projects) nachziehen und sprechen sich für den baldigen Einsatz modernster energiesparender PC-Netzteile aus.


Bei mehreren hundert Millionen Handys allein in Europa ergibt sich neben der Einsparung an Rohstoffen gegenüber dem typischen Leerlaufverbrauch von etwa 1 W eine Einsparung von mindestens 0,7 W pro Netzteil. Dies addiert sich nach Schätzungen auf etwa 200 MW, was alleine schon 20% der Leistung eines Kernkraftwerks entspricht! Bei PC-Netzteilen wäre aber noch eine viel größere grüne Rendite drin.


Gute PC-Netzteile kommen heute auf Wirkungsgrade von etwa 85% bei einer mittleren Belastung von 150 W. An ungenutzter Abwärme ist also schon pro PC-Netzteil mit 22,5 W zu rechnen! Bei geschätzten 300 Millionen PCs in der EU summiert sich das auf immerhin 6.750 MW, was bei einer mittleren Einschaltdauer von 7 h (wenn man die Siesta in südlicheren Teilen der EU im Sommer herausrechnet) schon 47 GWh pro Tag und somit etwa 14 TWh pro Jahr ergibt. Könnte man diese unnütze Abwärme vermeiden, ließen sich allein dadurch fünf moderne oder gar acht ältere Atomkraftwerke ersatzlos abschalten, was gut zur aktuellen Diskussion zur Abschaltung der älteren Atommeiler in Deutschland passt. Entsprechend erfreut äußerten sich die größeren Energieversorger RWE, EON, Vattenfall und EnBW sowie der zukünftige Baden-Württembergische Ministerpräsident Kretschmann.


Technisch scheint noch mehr als 15% Einsparung drin zu sein: Erste Demonstrationen modernster Stromversorgungstechnik lassen tatsächlich noch höhere Wirkungsgrade erwarten. Dabei werden dank Brennwerttechnik, wie sie seit Jahrzehnten schon in Heizungsanlagen eingesetzt wird, relative Wirkungsgrade von mehr als 110% erreicht! Das technische Verfahren für Brennwerttechnik auf kleinstem Raum fußt auf einer eingebauten Heat-Pipe, mit der die Leistungshalbleiter im Netzteil gekühlt werden. Anstatt die entstehende Abwärme nun über einen Lüfter in die Umgebung abzugeben, werden modernste Thermoelemente zur Rückgewinnung der bei der Kondensation des Kühlmittels der Heat-Pipe entstehenden Wärme eingesetzt. Die PC-Hersteller werden den ersten funktionierenden Demonstrations-PC mit 110%-igem Netzteil den interessierten EU-Parlamentariern am 1.4.2011 in Brüssel – stilecht unter dem Atomium - vorführen.



Weitere Informationen:


Webseite der EC (European Commission)


Webseite der GSM Association


Bundesverband der PC-Hersteller


Wikipedia zu ErP (Energy related Products) bzw. kodesign-Richtlinie


Wikipedia zur Brennwerttechnik


Wikipedia zum Wärmerohr (Heat-Pipe)


Wikipedia zum Atomium


Webseite der EUCAP (EU Commision for Alternative Projects)

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