„Elektrischer Kleber“ härtet durch Strom aus
über
Beim neuen Klebstoff handelt es sich um eine Flüssigkeit, die sich zu einem festen Polymer verwandelt, wenn man eine kleine Spannung von unter 2 V anlegt. Der Aushärteprozess stoppt dabei sofort, wenn man den Stromfluss unterbricht. Auf diese Weise ergibt sich der enorme Vorteil, dass man die Festigkeit und Flexibilität der Klebeverbindung genau steuern kann.
Da der Kleber eine geringe Viskosität aufweist, kann man damit sehr gut Oberflächen beschichten und Teile exakt in Position bringen, bevor man die Klebung fixiert. Die entstehenden Klebeverbindungen bleiben flexibel und widerstehen hohen Scherkräften. Zurzeit werden schnell aushärtende Kleber in der Industrie vor allem durch Licht, Hitze oder chemische Katalysatoren aktiviert, was die Verwendung bei manchen Materialien und in manchen Umgebungen verhindert. Aktivierung durch Licht ist z. B. nur da möglich, wo transparente Materialien verarbeitet werden.
Klebeverbindungen haben in der industriellen Fertigung einen großen Stellenwert, da Alternativen wie Löten, Schweißen oder Verschrauben deutlich aufwändiger sind und zudem nicht überall einfach möglich. Doch gab es beim Kleben seit Jahrzehnten kaum noch Fortschritte. Das hat sich mit elektrisch härtenden Klebern verändert. Einsatzgebiete werden vor allem in der Bioelektronik oder bei Elektronik auf der Basis von Polymeren gesehen, die mit lebendem Gewebe verbunden werden sollen. Ein besonderer Vorteil ist dabei die Einstellbarkeit der Aushärtung, um sie z. B. für bestimmte Vibrationsbelastungen tauglich zu machen. Auch in klassischen Mechanik-Bereichen wie der Automobilindustrie sind Anwendungen denkbar, bei denen die Steuerbarkeit der Aushärtung vorteilhaft ist.
Die Forscher haben einen Artikel zu ihrem Kleber in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht.

Diskussion (2 Kommentare)