Entdecken Sie die bemerkenswerte Reise von Fran Blanche (FranLab), eine Elektronik-Pionierin mit Bastel-Leidenschaft, deren Neugier auf Elektronik bereits früh in ihrem Leben erweckt wurde. In diesem Interview teilt sie Einsichten in früherer Projekte mit uns, aber auch in die Gründing von Frantone Electronics, Und wir lernen etwas über ihre einzigartige Sichtweise auf den Schnittpunkt zwischen Musik, Elektronik und Making.


Erzähle uns doch ein bisschen über Deinen Hintergrund. Woher kam die ursprüngliche Begeisterung für Elektronik?

Fran Blanche: Diese Neugierde hat sich über einen langen Zeitraum entwickelt, aber alles begann Ende der 1970er-Jahre. Ich habe schon immer Dinge auseinander genommen, als Kind hat mich die Miniatur-Welt der Leiterplatten fasziniert. Das war natürlich zu Zeiten diskreter Elektronik – die einseitigen Leiterplatten waren mit Transistoren, Widerstände und Kondensatoren vollgestopft. Alles war sichtbar: keine geheimnisvollen integrierten Schaltkreise oder mikroskopische Komponenten. Wenn jeder heutzutage noch so im Bereich Elektronik starten würde, hätten wir viel mehr Entwickler,deren Interesse sich auf die Hardware-Aspekte der Elektronik richten würde.
 
Fran Blanche of FranLab

Kannst Du uns ein paar frühe Projekte nennen, die eine wichtige Rolle für den Verlauf Deiner Karriere hatten?

Fran: Es begann damit, dass ich um ca. 1977 im örtlichen Kaufhaus Mr. Wizard's Experiments In Electronics entdeckte. Dieser Bausatz weckte mein Interesse für die Möglichkeiten der Elektronik. Meine Eltern besorgten mir 1978 eine HeathkitUhr - und der Bau dieser Uhr war mein erstes offizielles Elektronikprojekt. Teil des Heathkit-Pakets war eine kostenlose Lötstunde im Heathkit-Laden, und dieser Besuch führte mich in die Welt der knurrigen Ingenieure ein – eine lange Geschichte für sich.
 
PSCB assemnly - Electronics in FranLab
Der Löt-Arbeitsplatz und eine Rauch-Absaugung
Kannst Du uns ein bestimmtes Projekt aus deiner frühen Karriere nennen, das Du als besonders herausfordernd oder lohnend empfunden hast? Wie hat dieses zu Deiner Entwicklung als Ingenieurin und Maker beigetragen?
 
Fran: Die Entwicklung meiner Audiokompressoren war eine Herausforderung, da ich mit dem Ansprechverhalten der im Handel erhältlichen Optokoppler unzufrieden war. Ich musste also meine eigenen entwickeln und herstellen. Dadurch ergab sich eine weitere Herausforderung: die Entwicklung eines Verfahrens, mit dem sich diese Komponenten in gleichbleibender Weise von Hand herstellen lassen. Das Endergebnis war jedoch sehr zufriedenstellend! Die Pedale Sandwich und Sputnik gingen aus dieser Entwicklung hervor und ich glaube, das sie meine größten Erfolge sind.

Kannst du uns sagen, was dich dazu inspiriert hat, Frantone Electronics zu gründen und damit eine der ersten Herstellerinnen von Gitarreneffekten auf der Welt zu werden?
 
Fran: Bei der Gründung von Frantone gab es eigentlich nicht wirklich eine Inspiration - es war einfach eine Gelegenheit, die sich bot, und ich hatte keine Ahnung, was das für mich in Bezug auf Arbeit, Kosten, Leiden, Kampf oder die Realitäten des Musikgeschäfts bedeuten würde. Ich hatte wirklich keine Ahnung, was ich tat oder worauf ich mich einließ. Es ist eine dieser Situationen, in denen man, wenn man erst einmal tief in den Schulden und Verpflichtungen eines Unternehmens steckt, einfach Probleme lösen, tun muss, was notwendig ist, und es durchziehen muss. Bei mir selbst hat dieser Prozess Jahrzehnte gedauert.
 
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Links die erste Serie von Peachfuzz-Pedalen aus dem Jahr 1997... 2011 bewertete Music Radar das Peachfuzz als einen der 50 besten Fuzztones aller Zeiten ein. Es ist ein legendäres Design und es ist wieder da!

Interessiert es Sie, zu erfahren, wie und wo andere Ingenieure und Maker an ihren Elektronikprojekten arbeiten? Schauen Sie sich diese Arbeitspatze hier an: electronics workspaces.
Dein YouTube-Kanal FranLab zeigt eine breite Palette von Themen, von Vintage-Elektronik bis zur Herstellung und Wartung der Pedale. Wie passt dieser Kanal zu Deiner Leidenschaft für Musik und Elektronik?
 
Fran: Mein YouTube-Kanal ist ein eher ungewöhnlicher Kanal, weil er keinem bestimmten Thema oder Stil für den Inhalt folgt. Das macht mich zu einer Außenseiterin in dieser Welt. Damit ist es ehrlich gesagt für mich eine größere Herausforderung als für meine Mitstreiter, den Kanal am Laufen zu halten und das Interesse der Leute an dem, was ich veröffentliche, aufrechtzuerhalten. Das liegt einfach daran , das das Spektrum dessen, was ich tue und worüber ich spreche, sehr breit und vielschichtig ist. Dies ist nicht die normale Art und Weise, wie Kanäle im System gefördert werden. Und dann ist der Algorithmus nicht dein Freund.
 
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Halter für die Lackierung und Gehäuse, die trocknen
In Deinen Videos sehen wir einen wirklich netten Arbeitsplatz. Wie lange arbeitest Du schon dort und wo befindet er sich?
 
Fran: Ich hatte vier verschiedene Laboreinrichtungen an vier verschiedenen Orten, seit ich den Kanal 2011 gestartet habe. Jede Immobilie, in der ich mich eingerichtet hatte, wurde verkauft, während ich mich dort einrichtete. So war ich in den letzten 10 Jahren vier Mal zum Umzug gezwungen. Das hat mich finanziell ziemlich mitgenommen und bringt meine Arbeit und meinen Kanal alle paar Jahre durcheinander. Als ich anfing, Videos zu machen, befand sich mein Geschäft im Keller der Wohnung, die ich damals gemietet hatte. Nachdem ich dort ausziehen musste, richtete ich den ersten eigenen Raum für die Videoproduktion ein - und FranLab 1.0 war geboren.Das war der größte Raum, den ich je hatte. 2018 habe ich in die Phactory expandiert. Dort habe ich meine eigene Holz- und Metallwerkstatt gebaut, und ich nutze diesen Raum immer noch für laute und schmutzige Arbeit. Der aktuelle 3.0-Laborstandort ist im Vergleich zum 2.0-Raum ziemlich beengt und nicht wirklich ideal für das, was ich tun möchte, aber seit dem 1.0-Labor war ich gezwungen, mich bei jedem Umzug in immer kleinere Räume zu zwängen. Leider sind die großen, offenen Industrie-Räume (z.B. in den Neunzigern in Brooklyn) Vergangenheit. Heutzutage sind diese alle in Wohngebäude umgewandelt. Es ist schwer, meinen Arbeits-Stil in dieser Dekade beizubehalten, da es die nötige Infrastruktur an der Ostküste einfach nicht mehr gibt. Das ist ein großes Problem.
 
Electronics behind Peachfuzz
Verschiedene Peachfuzz-Designs
Was waren die Anforderungen und Ziele für diese Arbeitsumgebung?

Fran: Die Verkleinerung des Raums vom 1.0-Raum in unbequemere und weniger ideale Konfigurationen ist eine zunehmende Herausforderung für FranLab. Die Planung dieser aktuellen Runde hat am längsten gedauert, weil ich beim letzten Umzug alle Arbeitsplätze, Geräte, Teile und Materialien des 2.0- Labors in einem nochmals kleineren Raum (ungefähr 30 %) unterbringen musste.

Welche Art von Ausrüstung und Werkzeugen hast Du in Deiner Werkstatt?
 
Fran: Ich habe wirklich nur eine minimale Ausrüstung und behalte tatsächlich nur, was ich wirklich brauche und regelmäßig nutze. Ein EEVBlog-Digitalmultimeter, ein analoges Tektronix 564B Oszilloskop und eine Menge Signalgeneratoren sind auf meinem Arbeitsplatz zu finden.
 
Was hältst Du für das wichtigste oder wertvollste Gerät oder Werkzeug? Und warum?
 
Fran: Ein gutes Multimeter ist in jeder Elektronik-Werkstatt unverzichtbar. Wer analoge Hardware entwickelt, braucht auf jeden Fall noch Widerstands- oder Kondensator-Dekaden (ich finde sie sehr praktisch). Auch habe ich immer Arterienklemmen an meinem Arbeitsplatz, ich finde auch sie unverzichtbar, wenn an Elektronik gearbeitet wird.
 
Workspace of Electronics
Meine Test- und Reparaturumgebung war 2007 viel einfacher aufgebaut als heute...
Gibt es etwas Besonderes oder Einzigartiges in Deiner Werkstatt? Warum ist es besonders oder wichtig?
 
Fran: Die heutige Werkstatt ist eigentlich nichts Besonderes.

Arbeitest Du im Moment an einem Elektronik- oder Programmierprojekt?
 
Fran: Ich bin fest entschlossen, in meinem Leben keine weitere Programmiersprache mehr zu lernen. Wahrscheinlich ist das jedoch ein aussichtsloses Unterfangen. Was die Hardware betrifft, so gibt es viele Projekte, die ich auf Eis legen musste, als ich aus dem 1.0-Labor ausziehen musste. Mein Aufenthalt im 2.0-Labor war zu kurz, um Stand des 1.0-Labors auf nur teilweise aufzuholen - so habe ich heute Dutzende von unvollendeten Projekten, die alle darauf warten, dass ich die Zeit finde, mich wieder mit ihnen zu beschäftigen. Projekte aus vielen Jahren sind immer noch in der Schwebe. 
 
Wie hat sich Deine Mitwirkung als Senior-Member des IEEE auf Deine berufliche Entwicklung und Deinen Beitrag zum Bereich der Elektronik ausgewirkt?
 
Fran: Das IEEE ist eine sehr große und umfangreiche Gemeinschaft von Ingenieuren. So sehr, dass selbst jemand wie ich mit einem sehr ungewöhnlichen Job möglicherweise nie ein anderes Mitglied findet, dessen Fähigkeiten und Erfahrungen sich mit meinen überschneiden. Es ist eine Gemeinschaft, aber persönliches oder berufliches Wachstum ist für jemanden wie mich durch solche Organisationen eigentlich nicht möglich. Ich bin von Natur aus eine Einzelgängerin und normalerweise auf mich allein gestellt. Daher mache mein eigenes Ding, und selbst unter meinen engsten Kollegen finde ich, dass das, was ich tue, einzigartig ist.
 
Was erhoffst Du dir von den jungen Makern heutzutage?

Fran: Ganz ehrlich: Ich hoffe, das junge Maker weniger an Software arbeiten, dafür mehr an Hardware. Aber ich bin auch Realistin. Heutzutage ist Engineering sehr kopflastig, was Programmierung angeht. Die wirklichen Kernelemente der Welt wie Materialwissenschaften, Chemie und Grundsätze der Hardware-Entwicklung sind leider keine Anziehungspunkte mehr für jüngere Menschen. Ich erinnere mich an meine Anfänge, als ich in den 60er und 70er Jahren Radios und Uhren öffnete. Wenn ich das das mit dem vergleiche, was ein junger Mensch beim Öffnen eines modernen technischen Geräts vorfindet - wenn er es überhaupt aufbekommt: die Ehrfurcht, das Staunen und die pure Neugier, die ich in meiner Jugend beim Erforschen dieser elektronischen und mechanischen Dinge erlebt habe, sind heute kaum noch möglich. Außerdem bin ich der Meinung, dass die frühen Erfahrungen eines Menschen prägend dafür sind, wer er einmal werden wird und für welche Dinge er sich begeistern wird. Deswegen ist ein Schlüssel zur Zukunft unserer Kinder, sie schon im Kindesalter für diese Dinge zu interessieren.
 
    

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