Tsinghua plant eine Chipfabrik für 30 Milliarden $ in China

23. Januar 2017, 15:35 Uhr
Bild: Tsinghua, CN
Bild: Tsinghua, CN
Der Name Tsinghua dürfte selbst den meisten Elektronikern unbekannt sein und sogar Wikipedia schweigt sich dazu aus, doch das wird sich wohl alsbald ändern. Der chinesische Staat hat unter dem Namen Tsinghua einen Konzern geschmiedet, der sich anschickt, Speicher-Chips in China in großen Stückzahlen zu fertigen.

Wieder einmal zeigt sich, dass relevante Wirtschaft – und dazu gehört die Elektronik-Industrie auf jeden Fall – von strategischem Interesse ist und daher nationale politische Interessen berührt. Auch in diesem Fall dürfte die neue amerikanische Wirtschaftspolitik eine Rolle spielen, die verhindert, dass Investoren aus China wichtige amerikanische Firmen kaufen oder sich daran beteiligen. In diesem Fall gelang es dem relativ neuen Multi Tsinghua trotz staatlicher Rückendeckung aus China nicht, den Chip-Fertiger Micron mit einem Angebot über 23 Milliarden Dollar zu übernehmen.

Zu den strategischen Interessen Chinas zählt nachvollziehbarer Weise auch, bei zentralen Produkten aus der Elektronik wie Speicher-Chips nicht von amerikanischen Firmen abhängig zu sein. In diesem Sinne wurde daher beschlossen, eine eigene Halbleiterfertigung in großem Stil von Grund auf selbst zu realisieren. Zu diesem Zweck hat Tsinghua in den letzten Jahren einige kleinerer Chip-Distributoren und Fertiger aufgekauft und baut gerade an einer Fabrik für 24 Milliarden Dollar in der chinesischen Stadt Wuhan. Was anscheinend nicht genug ist, denn die jetzige Ankündigung betrifft eine Fabrik für DRAM und Flash-Speicher für 30 Milliarden Dollar in Nanjing in Ost-China. Geld genug scheint vorhanden sein, denn China plant in den nächsten zehn Jahren neue Investitionen im Umfang von 160 Milliarden Dollar.
 
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