Maschinelles Vergessen: programmierte Alzheimer-Krankheit?

11. April 2016, 15:32 Uhr
Am Scheideweg des Speichers
Am Scheideweg des Speichers
Im Internet kann man fast alles finden. Dies deshalb, weil die Anwender (also Sie und ich) enorme Mengen an Daten online stellen, die mit cleveren Suchalgorithmen traktiert werden können, um Zusammenhänge aufzudecken. Egal was man einstellt, ein Foto, ein Video, Kreditkartendaten oder einen Artikel – alles wird innerhalb von Minuten von diversesten Datenverarbeitungsmaschinen gefunden und verdaut, und steht dann für praktisch alle Zeiten im Netz. Was also tun, wenn etwas vergessen werden soll?

Die eingespeisten Infos zu löschen reicht sicherlich nicht aus, damit „das System“ diese vergisst. Die Daten wurden ja nicht nur irgendwo gespeichert, sondern alsbald ausgelesen und weiterverarbeitet. Neben dem Löschen der Daten muss also auch seine komplette „lineage“ auch noch verschwinden. Hierzu benötigt man aber Algorithmen für maschinelles Vergessen. Die Forscher Yinzhi Cao und Junfeng Yang von der Columbia University schlagen hierfür einen neuen Algorithmus auf der Basis einer Technik vor, die Daten nicht in individuellen Stücken, sondern nur inkrementell verarbeitet und speichert. Etwas zu vergessen wäre dann deutlich einfacher, da hierzu nur eine inkrementelle Neuberechnung statt eine kompletten Neuverarbeitung stattfinden müsste.

Schauen wir also demnächst einer Zukunft ins Auge, in der das Auffinden von Informationen wieder schwieriger wird? In der wir nicht mehr länger wissen, was wir einst wussten – oder in der wir eine unerwünschte Vergangenheit einfach neu erfinden können? Das wird uns noch mächtig Kopfzerbrechen bereiten...
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