Künstlicher Finger fühlt Oberflächenstrukturen

16. März 2016, 18:46 Uhr
Zum ersten Mal konnte ein Patient in die Lage versetzt werden, in Echtzeit die Strukturen rauer und glatter Oberflächen mit einem künstlichen Finger zu ertasten. Dies wurde möglich dank einer chirurgisch hergestellten Verbindung zu den Nerven im oberen Armbereich der Versuchsperson – ein Durchbruch, der den Fortschritt auf Weg zur Prothese mit Gefühl beschleunigen wird. Um zum Beispiel raue Oberflächen mit diesem neuen Sensor zu ertasten, können auch die Nerven nicht amputierter Menschen auf die gleiche Weise stimuliert werden – und dazu ist nicht einmal ein chirurgischer Eingriff notwendig.

Das bedeutet, dass das prothetische Tastempfinden zunächst in aller Ruhe an unversehrten Menschen untersucht und getestet werden kann. Die verwendete Technologie wurde von Silvestro Micera und seinem Team am EpfL (École polytechnique fédérale de Lausanne, Schweiz) und am SSSA (Scuola Superiore Sant'Anna, Italien) entwickelt, und zwar in Zusammenarbeit mit Calogero Oddo und seinen Mitarbeitern am SSSA. Die in eLife veröffentlichten Ergebnisse eröffnen völlig neue Perspektiven bezüglich bionischer, durch sensorische Wahrnehmungsfähigkeit verbesserter Prothesen.

„Die Stimulation ist fast ein Ersatz für meine Hand“, erklärt Dennis Aabo Sørensen, der eine Hand verlor und bei dem der künstliche Finger an Stelle der Hand platziert wurde. „Ich spüre immer noch die fehlende Hand, und zwar so, als würde ich sie zur Faust ballen. Am Zeigefinger dieser Phantom-Hand fühle ich dann die vom künstlichen Finger erfasste Oberfläche“ fügt er hinzu.
 
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