Immer ins Schwarze!

18. Juli 2018, 19:36 Uhr
Pfeile werfen oder Darts, wie der Profi sagt, ist definitiv schwieriger als es aussieht. Vielleicht hat das etwas damit zu tun, dass dieses Spiel normalerweise in Kneipen gespielt wird und die Präzision beim Werfen im reziproken Verhältnis zum Bierkonsum steht.

Es ist schon verdammt schwierig, die Dartscheibe überhaupt zu treffen, aber um mit dem Dart beispielsweise den Bull zu treffen, ist Übung notwendig. Eine Menge Übung. Das ist etwas, wozu der ehemalige NASA-Ingenieur Mark Rober (jetzt ein beliebter YouTuber) überhaupt keine Lust hatte.

Eine halbe Sekunde

Er setzte sich daher an sein Zeichenbrett und entwarf ein System, das genau bestimmt, wo sich eine Pfeilspitze befindet, und blitzschnell berechnet, wo sie auftreffen wird. Dann wird die Dartscheibe so bewegt, dass der Dart genau ins Bull trifft. Und das alles in weniger als einer halben Sekunde, denn ein durchschnittlicher Dartwurf aus der "offiziellen" Distanz dauert etwa 400 ms. Oder anders ausgedrückt: Wenn der Dart nicht zum Bull kommt, dann muss der Bull halt zum Dart kommen!

Bewegungserfassung

Das System, das Mark Rober in drei Jahren (!) entwickelt hat, besteht aus einem Bewegungserfassungssystem von Vicom mit sechs Kameras, die den Pfeil während seines Fluges durch die Luft verfolgen. Dabei helfen IR-LEDs und kleine Retroreflektoren auf dem Pfeil. Ein Computersystem berechnet den genauen Standort des Pfeils im dreidimensionalen Raum. Das System ist in der Lage, in weniger als eine halben Sekunde mehr als 100 mal festzustellen, wo sich der Pfeil in der Luft befindet. Nebenbei bemerkt, diese Bewegungserfassungssysteme machten Andy Serkis in seiner Rolle als Gollum weltberühmt.

Servosystem

Aus den aufeinanderfolgenden Pfeilpositionen berechnet die Software mit Hilfe elementarer Physik, wo der Pfeil die zweidimensionale Ebene der Dartscheibe trifft. Nun ist es kein Problem mehr, die Dartscheibe entsprechend zu bewegen.

Die Scheibe wird sehr schnell mit Hilfe einer kleinen trigonometrischen Berechnung von 6 Schrittmotoren an den richtigen Punkt bewegt, damit der Pfeil exakt ins Bulls Eye trifft. Die Vorhersage des Treffpunkts wird ständig aktualisiert und die Position des Boards bei Bedarf angepasst.

Ok, Puristen werden jetzt vielleicht anmerken, dass damit der Spaß am Spiel ein wenig getrübt wird – aber das wird mehr als kompensiert durch die Freude am Entwerfen und Bauen eines so herrlich nutzlosen High-Tech-Systems...
 
Quelle: The Verge
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