ESE-Kongress: Im Zeichen der Disruption – Was die Software-Community jetzt tun muss

14. November 2018, 14:09 Uhr
ESE-Kongress: Im Zeichen der Disruption – Was die Software-Community jetzt tun muss
ESE-Kongress: Im Zeichen der Disruption – Was die Software-Community jetzt tun muss
Die Software-Branche steht vor gewaltigen Herausforderungen: Immer schneller müssen Entwickler und technisches Management neue Technologien wie KI und Machine Learning verstehen, in ihrer Bedeutung einordnen und einsetzen. Gleichzeitig müssen sie die modernen Methoden des Software Engineering beherrschen, um der Komplexität in Softwareprojekten Herr zu werden. Die zusätzliche Schwierigkeit: Aktuell ändert sich das Arbeitsumfeld auch für Kopfarbeiter gewaltig, denn der Umbruch durch die Digitalisierung macht auch vor Hochqualifizierten nicht halt.

Daher wird es 2018 auf Deutschlands größtem Kongress für Embedded Software Engineering (ESE-Kongress, Sindelfingen, 3. bis 7. Dezember) neben technischen Trends und Handwerkszeug auch um nachhaltige Arbeits- und Innovationskonzepte für die Digitalisierung in der Embedded-Software-Branche gehen. Mehrere Sprecher werden sich in ihren Vorträgen mit den Themen KI, Empowerment sowie Startup-Kultur und Innovation auseinandersetzen.

Ohne Empowerment keine Agilität

Bieten agile Organisationen die Chance für eine neue Humanisierung? Diese Frage untersucht Thomas Lühr vom Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung (ISF). Der junge Forscher beschäftigt sich seit einigen Jahren im Schwerpunkt mit Arbeit und Unsicherheit von hochqualifizierten Beschäftigten sowie mit dem Thema Karriere in modernen Unternehmen.

„In den Unternehmen setzt sich zunehmend die agile Organisation als neue Leitorientierung durch. Damit entstehen neue Chancen, um den Menschen in den Mittelpunkt der digitalen Arbeitswelt zu stellen“, so Lühr. „Zentraler Schlüssel dafür ist das Empowerment der Beschäftigten. Ohne Empowerment funktioniert Agilität nicht und drohen neue Belastungen in der Arbeit“, glaubt Lühr. Sein Vortrag gibt Einblicke in aktuelle Forschungsergebnisse aus dem BMBF-Projekt „Empowerment in der digitalen Arbeitswelt“.

Empowerment steht für „vom Management initiierte Maßnahmen, die die Autonomie und Mitbestimmungsmöglichkeiten von Mitarbeitern rund um ihren Arbeitsplatz erweitern“ (Gabler Wirtschaftslexikon).

Wie organisieren sich Menschen, wenn ihnen keiner sagt, was sie tun sollen?

Empowerment bedeutet auch Hierarchieabbau, Selbstbefähigung und Selbstbestimmung der Mitarbeiter. Aber wie organisieren sich Menschen, wenn starre Führungsrollen ausbleiben und ihnen niemand mehr sagt, was genau sie tun sollen? Ideen dazu formuliert Lars Vollmer, Unternehmer, Vortragsredner und Autor des Buches „Wie sich Menschen organisieren, wenn ihnen keiner sagt, was sie tun sollen“.
Er rät Mitarbeitern zu mehr Initiative und Verantwortung, anstatt sich starrer Strukturen unterzuordnen. Anhand von Beispiele aus Gesellschaft und Wirtschaft macht sich Lars Vollmer in seiner Keynote auf dem ESE-Kongress „siebeneinhalb aufrüttelnde Gedanken über eben jene Entwicklung, die Menschen vollführen, wenn ihnen keine Führungskraft Zeit-, Ziel- oder sonstige Pläne vor die Nase setzt."

Querdenken im Großkonzern

Wie lassen sich kurze, agile Innovationszyklen in etablierten Strukturen integrieren? Einen möglichen Weg zeigt der Vortrag „Querdenken im Großkonzern" von Peter Guse, Gründer und Geschäftsführer der grow platform GmbH von Bosch.

 
Querdenken im Großkonzern: Peter Guse gewährt auf dem ESE-Kongress im Dezember Einblicke,
wie Bosch Startup-Methoden nutzt, um neue Märkte zu erkunden. Bild: Wolfram Scheible
„Politik und Technologie treiben Veränderung in Gesellschaft und Industrie, die hohe Unsicherheit mit sich bringen und Mangel an Daten und Fakten, um immer analytische Entscheidungen treffen zu können. Der einzige Weg vorwärts ist dann Ausprobieren, Experimentieren. Und es liegt in der Natur des Experiments, dass es scheitern kann. Dabei das Risiko zu begrenzen und aus dem Ergebnis zu lernen sind die Herausforderungen in einem Großunternehmen, das sonst auf Fehlervermeidung optimiert ist", schreibt Guse.

Aus diesen Gründen wurde bei Bosch 2013 die Start-up Platform grow gegründet. Die Idee dahinter war, eine lernende Organisation mit hohen Freiheitsgraden innerhalb des Unternehmens zu schaffen. „Wir wählen Teams mit Ideen aus, die wir finanzieren, unterstützen und denen wir ermöglichen, schnell am Markt ihr Geschäftsmodell zu testen. In den letzten 4 Jahren ist es damit mehrfach gelungen, neue Märkte zu erkunden, mit positivem und negativem Ergebnis", so Guse weiter.

AI Made in Europe – Chancen und Perspektiven von KI

Als einer der wesentlichen disruptiven Treiber der nächsten Jahre gilt Künstliche Intelligenz. Es steht zu erwarten, dass über die nächsten fünf bis Jahre der Einsatz von KI-Methoden weite Bereiche unserer Industrie und unserer Gesellschaft wesentlich und nachhaltig verändern wird.
Warum geschieht dies gerade jetzt? Welche Entwicklungen sind besonders relevant? Welche Risiken und Chancen verbinden sich damit, insbesondere für Forschung, Entwicklung und Einsatz von KI in Europa? Gibt es eine Perspektive für „AI Made in Europe“, für unseren Kontinent und den Rest der Welt?

Die Keynote von Holger H. Hoos, Professor für Machine Learning, behandelt diese Fragestellungen vor dem Hintergrund aktueller Diskussionen zur KI sowie technischer Entwicklungen und internationaler Initiativen. Schwerpunkte liegen dabei auf der Rolle moderner Verfahren aus dem maschinellen Lernen, sowie auf der Interaktion zwischen KI und Softwaretechnik.
Hoos ist Mitglied der Association for the Advancement of Artificial Intelligence, ehemaliger Präsident der Canadian Association for Artificial Intelligence und einer der Initiatoren von CLAIRE, einer Initiative der europäischen KI-Gemeinschaft zur Stärkung der europäischen Exzellenz in Forschung und Innovation im Bereich der künstlichen Intelligenz.
 
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