Analoge additive Synthese einmal anders

15. November 2017, 14:57 Uhr
Additive analogue Synthesis: another way of looking at it
Einmal anders betrachtet!
Vor einigen Wochen habe ich an dieser Stelle ein spektakuläres Video von Jerobeam Fenderson vorgestellt. Dieser Virtuose der Lissjous-Figuren verbindet Tonsignale mit den X- und Y-Eingängen seines Kathodenstrahl-Oszilloskops und erzeugt auf diese Weise erstaunliche, animierte Grafiken. Es ist nicht übertrieben, wenn man behauptet, dass er damit die Phasenverschiebung zu einem Teil der bildenden Kunst werden ließ.
Für Amateure der analogen Klangsynthese bietet dieses Prinzip dank zahlreicher Programmiertools wie unter anderem Pure Data, Ableton Live oder Max viele ungeahnte Möglichkeiten, die ohne diese digitalen Anwendungen nicht realisierbar wären.

Trigonometrische Maus

Ich möchte heute noch einmal auf das große pädagogische Potenzial solche Experimente zurückkommen, speziell auf den vierten Teil des Tutorials von Jerobeam Fenderson mit dem Titel: Oscilloscope Music Tutorial 4: Sinewaves (Harmonic Oscillation, Unit Circle, Additive Synthesis)Besonders die Szene mit der pendelnden Maus und der Katze lässt den ersten Kontakt mit der Trigonometrie (ab 00:52) zum wahren Kinderspiel werden. Der Moment, in welchem Sinus- und Cosinus ganz konkret als Projektionen auf einem Kreis sichtbar werden, sagt mehr als tausend abstrakte Worte (02:25).
 

Ab der dritten Minute führt er den Zuschauer auf sehr geschickte Weise in das Gebiet der additiven Synthese ein, indem er an einem praktischen Beispiel zeigt, wie aus der Überlagerung verschiedener Sinuswellen (fast) eine Rechteckschwingung wird. Ist das nicht ein erhabener pädagogischer Augenblick? Die aufschlussreichen Bilder werden zusätzlich noch durch die zeitlich sehr dicht gepackten, sorgfältig vorbereiteten und gut vorgetragenen Erläuterungen des Autors abgerundet. Wenn Sie auf Grund des hohen Tempos nicht immer folgen konnten, lassen Sie sich nicht entmutigen und schauen Sie sich das Ganze bei Bedarf noch einmal an – vielleicht, nachdem Sie es sogar selber einmal ausprobiert haben, denn das ist ja, wie immer, der Sinn der Sache.

Visuelle Artefakte mit digitaler Kompression

Die Erklärungen in Teil 3, in dem es um die subtraktive Synthese ging, haben mich nicht überzeugt. Aus diesem Grunde empfehle ich Teil 2, weil dort gezeigt wird, wie die digitale Kompression von Audiosignalen (zum Beispiel MP3) die Bild-Spur beeinflusst, bevor sie bereits vom Ohr (wenn überhaupt) wahrgenommen wird. Als ebenso wichtig erachte ich den Abschnitt über das Aliasing (bei der Digitalisierung entstehende Artefakte). Auch wenn Sie mit dieser Materie bereits vertraut sein mögen: Die von JF vorgestellte Annäherung an das Thema ist wirklich originell, denn sie zeigt lebendige Bilder auf dem Oszilloskop, die man normalerweise nur auf bedrucktem Papier betrachten kann.
 
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