28.10.2011 - der Tag, der die Welt (nicht) veränderte

10. Dezember 2013, 14:36 Uhr
28.10.2011 - der Tag, der die Welt (nicht) veränderte
28.10.2011 - der Tag, der die Welt (nicht) veränderte

Schön wär’s gewesen, könnte man glauben, was sich letzte Woche in Italien zugetragen hat: Der Erfinder Andrea Rossi demonstrierte vor geladenen Zeugen einem anonymen Investor aus den USA seine die Welt in ihren Grundfesten erschüttern sollende Erfindung: den E-Cat. Und das nicht im kleinen Labor-Maßstab, sondern gleich heftig, mit einer 1-MW-Anlage. Und wie auf der entsprechend benamten Webseite „E-Cat World“ vermeldet ist, hat das ganz gut geklappt, der Investor sei zufrieden und das Geschäft unter Dach und Fach. Und der Investor bleibt unbekannt...

 

Doch worum geht es und warum hätte diese Geschichte (beinahe) die Welt verändert? E-Cat ist die Abkürzung von Energy Catalizer, eine recht simple Anlage, bei der gasförmiger Wasserstoff mit pulverförmigem Nickel mit Hilfe eines – natürlich geheimen – Katalysators zu Kupfer + jede Menge Energie transformiert wird. Eine moderne Form der Alchemie also. Wenn aus einem chemischen Element ein anderes wird, dann läuft das thermonuklear ab, sagt die Wissenschaft. Ohne die nötigen hohen Temperaturen spricht man von kalter Fusion, die es bislang eben nur gesprochen oder geschrieben, aber nicht „in echt“ und funktionierend gibt. Vermutlich weil die absolut überwältigende Mehrheit aller Physiker nicht ganz zu unrecht darauf bestehen würde, dass eine kalte, gar chemische Fusionsreaktion den bisher geltenden Gesetzen der Physik widerspräche. Bei E-Cat soll letzte Woche angeblich über 5,5 Stunden ein Energie-Überschuss von 470 kW produziert worden sein. Nicht ganz 1 MW zwar, aber immerhin.

 

Die Fans und Anhänger dieser „Technik“ sprechen schon von quasi kostenloser Energie – was Quatsch ist, da die reinen Erzeugungskosten eines Kraftwerks an den Stromkostenfür den Endkunden nur etwa 10...20% liegen. Kostenlsoe Energie kann es also nie geben. Es bliebe immerhin die heraufbeschworene Welt ohne fossile Brennstoffe, ohne Atommüllrisiken, was ja wirklich toll wäre. Und tatsächlich konnte keine radioaktive Strahlung beim E-Cat gemessen werden - was allerdings größere Zweifel am E-Cat weckt, denn nukleare Transformationen bringen so etwas typischerweise mit sich. Es gibt noch viele andere Gründe, warum das Ganze zu 99,999% wohl ein klassischer Betrug und möglicherweise sogar ein Selbstbetrug ist. So entspricht das „erzeugte“ Kupfer in seiner Isotopenzusammensetzung wohl dem natürlichen Kupfer und soviel Natürlichkeit wäre schon ein zweites Wunder.
Kurios am Rande ist übrigens, dass das wohl prominenteste Wirtschaftsmagazin Forbes auf seiner Webseite schon seit Wochen immer wieder über Herrn Rossi berichtet und das durchaus eben nicht immer mit der gegenüber modernen Varianten des perpetuum mobile gebotenen Distanz.

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